Draußen beißender Wind, drinnen trockene Heizungsluft: Im Winter bekommt deine Haut doppelt Stress. Kälte verengt die Blutgefäße, Wind reizt die Oberfläche, und die geringe Luftfeuchtigkeit in beheizten Räumen entzieht der Haut Feuchtigkeit. Das Ergebnis kennst du: Spannungsgefühl, raue Stellen, manchmal Rötungen oder Schuppen.

Die gute Nachricht: Du musst nicht viel umstellen, sondern vor allem zwei Dinge anpassen. Reinige die Haut milder, als du es im Sommer tust, und pflege sie reichhaltiger. Wer die Hautbarriere intakt hält, kommt mit weniger Produkten durch den Winter als mit mehr.

Was Kälte, Wind und Heizungsluft mit deiner Haut machen

Kälte verengt die Blutgefäße in der Haut. Dadurch fließt weniger Blut durch das Gewebe, und die Haut bekommt weniger Sauerstoff und Nährstoffe. Sie wirkt blasser, fühlt sich kühler an und erholt sich langsamer von Belastungen.

Wind kommt dazu: Er reizt die Hautoberfläche, entzieht ihr Feuchtigkeit und macht sie rau und spröde. Besonders unangenehm wird es, wenn Wind auf bereits kalte Haut trifft, etwa beim Joggen oder beim Spaziergang ohne Schal.

Drinnen sorgt die Heizung für das nächste Problem. Warme Luft speichert wenig Feuchtigkeit, die relative Luftfeuchtigkeit in beheizten Räumen sinkt im Winter deutlich. Eine Studie aus Korea mit gesunden Frauen mit normaler Haut zeigte, dass schon ein Aufenthalt von mindestens sechs Stunden täglich in einer beheizten Innenraumumgebung die Haut Feuchtigkeit verlieren lässt. Hält die Trockenheit an, sammeln sich abgestorbene Hautzellen an, und Hautprobleme werden wahrscheinlicher. Die Ergebnisse stammen aus einem koreanischen Winterklima, aber der Mechanismus gilt überall dort, wo geheizt wird.

Warum die Hautbarriere im Winter die Hauptrolle spielt

Die oberste Hautschicht, das Stratum corneum, arbeitet wie eine Schutzmauer. Sie hält Feuchtigkeit in der Haut und blockiert Reizstoffe von außen. Ist diese Barriere geschädigt, verliert die Haut schneller Wasser und reagiert empfindlicher auf Kälte, Wind und Pflegeprodukte.

Eine beeinträchtigte epidermale Barriere hängt mit geschädigter Haut zusammen und tritt auch bei Hauterkrankungen wie atopischer Dermatitis und ekzematöser Dermatitis auf. Für gesunde Haut heißt das: Je besser du die Barriere im Winter unterstützt, desto weniger Arbeit hat deine Haut, sich selbst zu reparieren. Die wichtigsten Stellschrauben sind die Reinigung und die Pflege.

Sanft reinigen: Was die Reinigung im Winter leisten muss

Aggressive Reiniger entfernen die natürlichen Öle der Haut. Im Sommer verzeiht die Haut das eher, im Winter fehlt ihr die Feuchtigkeit, um den Verlust auszugleichen. Deshalb empfehlen Ärzte für die kalte Jahreszeit milde, pH-neutrale Reinigungsmittel.

Für das Gesicht eignen sich cremige oder ölige Reinigungsmittel. Eine Reinigungsmilch oder ein Reinigungsöl löst Make-up und Talg, ohne die Haut auszutrocknen. Wer abends gründlich abschminkt, braucht morgens oft nur Wasser oder eine ganz milde Reinigung. Ein praktischer Ablauf für den Winterabend: zuerst das Reinigungsöl sanft einmassieren, mit lauwarmem Wasser abspülen, dann eine kleine Menge Reinigungsmilch auftragen und abwaschen. Die Haut fühlt sich danach weich an, nicht quietschig sauber. Genau dieses Quietschen ist das Zeichen, dass die Reinigung zu viel Fett entfernt hat.

Reichhaltig pflegen: Welche Creme zu deinem Hauttyp passt

Für die Gesichtspflege im Winter gilt eine einfache Regel: reichhaltiger als im Sommer. Eine reichhaltige Creme legt sich wie eine Schutzschicht auf die Haut und unterstützt die Barriere dabei, Feuchtigkeit zu halten.

Wie reichhaltig die Creme sein darf, hängt von deinem Hauttyp ab. Bei trockener Haut greifst du zu einer dicken, fetthaltigen Creme, die du morgens und abends großzügig aufträgst. Bei Mischhaut reicht eine reichhaltige Creme für die Wangen, während du die T-Zone dünner eincremst oder eine leichtere Textur verwendest. Auch ölige Haut braucht im Winter Pflege, aber eine Gel- oder Fluidtextur, die Feuchtigkeit spendet, ohne zu fetten.

Ein wichtiger Handgriff: Trage die Creme auf leicht feuchte Haut auf. Direkt nach dem Waschen oder Duschen ist die Haut noch aufnahmefähig, die Creme verteilt sich besser und hält die Feuchtigkeit dort fest, wo sie gebraucht wird. Abends darf es eine Schicht mehr sein, denn nachts hat die Haut Zeit, sich zu regenerieren.

Heizungsluft im Alltag: Was du neben der Creme tun kannst

Die Creme allein muss nicht alles ausgleichen. Du kannst die Bedingungen in deiner Wohnung verbessern, damit die Haut weniger Feuchtigkeit abgibt.

Ein Luftbefeuchter im Schlafzimmer oder Arbeitszimmer hebt die Luftfeuchtigkeit und entlastet die Haut spürbar. Wer keinen kaufen möchte, stellt eine Schale Wasser auf die Heizung oder hängt feuchte Handtücher auf. Zimmerpflanzen erhöhen die Luftfeuchtigkeit ebenfalls, wenn auch langsamer.

Auch das Duschen spielt eine Rolle. Heißes Wasser fühlt sich im Winter gut an, entzieht der Haut aber besonders viel Fett. Dusche lieber lauwarm und nicht länger als zehn Minuten. Nach dem Abtrocknen, solange die Haut noch leicht feucht ist, kommt eine reichhaltige Bodylotion oder ein Pflegeöl auf Arme, Beine und Rumpf. So bleibt die Feuchtigkeit in der Haut und verdunstet nicht.

Hände, Lippen und Körper: Die Stellen, die oft vergessen werden

Hände haben es im Winter am schwersten. Sie sind Kälte und Wind ausgesetzt, werden häufig gewaschen und tragen kaum eigene Fettschicht. Trage bei Kälte Handschuhe und creme die Hände nach jedem Waschen ein. Eine reichhaltige Handcreme in der Handtasche und eine am Schreibtisch erinnern dich daran.

Lippen haben keine Talgdrüsen und können sich nicht selbst schützen. Ein Pflegebalsam mit wenig Duftstoffen, mehrmals täglich aufgetragen, beugt rissigen Lippen vor. Wer draußen unterwegs ist, schützt sie zusätzlich mit einem Schal, der bis über den Mund reicht.

Am Körper reicht eine durchdachte Pflege nach dem Duschen meist aus. Wer zu trockener Haut neigt, kann einmal pro Woche sanft peelen, um abgestorbene Hautzellen zu lösen. Die koreanische Studie zeigt, dass sich bei anhaltender Trockenheit genau diese Zellen ansammeln und die Haut stumpf machen. Ein sanftes Peeling, nicht zu oft und nie auf gereizter Haut, lässt die nachfolgende Creme besser wirken.