Pickel, Mitesser und entzündete Stellen sind die häufigste Hauterkrankung überhaupt. Akne ist bei Jugendlichen weit verbreitet, bei 20 bis 35 Prozent verläuft sie mittelschwer bis schwer. Viele behalten die Unreinheiten auch über die Pubertät hinaus. Akne ist keine Frage mangelnder Hygiene, sondern eine entzündliche Erkrankung des Talgdrüsenfollikels, also der kleinen Einheit aus Haarfollikel und Talgdrüse in der Haut. Die Talgproduktion läuft hoch, abgestorbene Hautzellen verkleben den Ausgang, und Bakterien entzünden die Stelle.

Was du dagegen tun kannst, hat sich in den letzten Jahren verändert. Die aktualisierte S2k-Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) setzt auf eine Therapie, die stärker nach Schweregrad und Erscheinungsbild ausgerichtet ist, und eröffnet neue Behandlungswege. Gleichzeitig helfen dir die richtigen Wirkstoffe in der täglichen Pflege und eine entzündungshemmende Ernährung, den Teint zu beruhigen. Die wichtigste Einordnung zuerst: Leichte Akne lässt sich oft mit konsequenter Pflege in den Griff bekommen, mittelschwere und schwere Formen gehören in ärztliche Behandlung.

Was Akne ist und warum sie entsteht

Akne ist eine Sammelbezeichnung für Erkrankungen des Talgdrüsenapparates und der Haarfollikel. Am Anfang stehen meist nichtentzündliche Mitesser, in der Fachsprache Komedonen. Sie entstehen, wenn verhornte Hautzellen und Talg den Ausgang des Follikels verschließen. Aus geschlossenen Mitessern können sich offene Mitesser entwickeln, und wenn Bakterien in den verstopften Follikel eindringen, entzündet sich die Stelle: Es bilden sich Papeln, Pusteln und bei schwereren Verläufen Knoten.

Am häufigsten betroffen sind Körperstellen mit vielen Talgdrüsen, vor allem das Gesicht und der obere Brustbereich. Die Erkrankung betrifft vor allem Jugendliche, kann aber über die Adoleszenz hinaus andauern. Neben der körperlichen Belastung wiegt die psychische oft schwer: Akne führt durch sichtbare Hautveränderungen zu einer reduzierten Lebensqualität. Wer unter starken Entzündungen leidet, sollte diesen Aspekt ernst nehmen und nicht allein durch Kosmetik lösen wollen.

Die neue Leitlinie: Diese Behandlungen empfiehlt die Dermatologie

Die überarbeitete S2k-Leitlinie der DDG ordnet die Therapie nicht mehr nur nach groben Schweregraden, sondern stärker nach dem tatsächlichen Erscheinungsbild. Das heißt: Eine Behandlung, die bei überwiegend Mitessern sinnvoll ist, passt nicht automatisch zu einer Haut mit vielen entzündeten Pusteln.

Drei Neuerungen sind für Betroffene besonders relevant. Spironolacton, ein Medikament, das ursprünglich als Entwässerungsmittel eingesetzt wird, ist nun als Off-Label-Option für Frauen im Therapiealgorithmus verankert. Off-Label bedeutet: Das Mittel ist für diese Anwendung nicht offiziell zugelassen, wird aber auf Basis wissenschaftlicher Belege eingesetzt. Die Einnahme erfolgt ausschließlich nach ärztlicher Absprache, weil das Medikament in den Hormonhaushalt eingreift und Nebenwirkungen haben kann. Trifaroten ist eine weitere topische Retinoid-Alternative, also ein Vitamin-A-Abkömmling, der die Zellerneuerung der Haut normalisiert und Verhornungen löst. Und beim Einsatz systemischer Antibiotika, also Tabletten, die im ganzen Körper wirken, setzt die Leitlinie auf einen rationalen Gebrauch: unnötige Anwendungen fördern Resistenzen und sollen vermieden werden.

Für dich bedeutet das: Wenn rezeptfreie Pflege nicht reicht, gibt es heute mehr zugelassene und ärztlich begleitete Wege als früher. Welcher davon passt, entscheidet die Dermatologin oder der Dermatologe anhand deines Hautbilds.

Pflege für zu Hause: Diese Wirkstoffe wirken

Bei leichter Akne kannst du selbst viel erreichen, wenn du auf die richtigen Inhaltsstoffe setzt. Salicylsäure, in der Kosmetik als BHA (Beta-Hydroxysäure) bezeichnet, löst Verhornungen der obersten Hautschicht, bindet Talg und befreit die Poren. Dadurch wirkt der Teint reiner und feiner. Du findest sie in Seren, Tonics und Peelings. Trage sie abends auf die gereinigte Haut auf und starte langsam, damit sich die Haut an den Wirkstoff gewöhnt. Niacinamid, eine Form des Vitamins B3, beruhigt die Haut, stärkt die Hautschutzbarriere und befreit die Poren von Talg und Ablagerungen. Es verträgt sich gut mit Salicylsäure und lässt sich morgens oder abends in die Routine einbauen.

Die Grundroutine sieht so aus: ein mildes Reinigungsprodukt, das die Haut nicht austrocknet, danach der BHA-Wirkstoff, anschließend eine leichte Feuchtigkeitspflege. Tagsüber gehört ein Sonnenschutz dazu, denn Salicylsäure macht die Haut empfindlicher gegenüber UV-Strahlung. In rezeptfreien Produkten findest du außerdem Benzoylperoxid und Azelainsäure, die gegen Bakterien beziehungsweise Verhornungen arbeiten. Wichtig ist, nicht mehrere starke Wirkstoffe gleichzeitig zu stapeln: Das reizt die Haut und verschlimmert Entzündungen eher. Wenn du dir unsicher bist, welche Kombination zu deinem Hauttyp passt, starte mit einem Wirkstoff und beobachte deine Haut über einige Wochen, bevor du etwas Neues hinzufügst.

Was die Ernährung beiträgt

Die Haut reagiert auf das, was du isst, auch wenn Ernährung allein keine Akne heilt. Eine antientzündliche Kost mit viel Gemüse, zuckerarmem Obst, hochwertigen Pflanzenölen, wenig Fleisch und gelegentlich Fisch kann Entzündungen der Haut eindämmen. Omega-3-Fettsäuren, die in Leinöl, Nüssen, Samen und fetten Meeresfischen wie Lachs, Hering und Makrele stecken, zeigen laut einer zitierten Studie eine positive Wirkung auf das Hautbild bei Akne. Die Übertragbarkeit ist begrenzt, weil die Studie keine detaillierten Angaben zu Dosierung und Studienpopulation liefert. Ein gesundes Darm-Mikrobiom wirkt Entzündungen entgegen, und Ballaststoffe aus Vollkorn, Hülsenfrüchten und Gemüse unterstützen das.

Konkret kannst du also zwei Dinge tun: stark verarbeitete Lebensmittel und viel Zucker reduzieren und regelmäßig Omega-3-Quellen einplanen, etwa fettreichen Fisch auf den Speiseplan setzen oder täglich etwas Leinöl ins Salatdressing geben. Diese Umstellung wirkt langsam, über Wochen und Monate, und ergänzt die Pflege, ersetzt sie aber nicht.

Wann du zum Arzt oder zur Ärztin solltest

Wenn entzündete Papeln, Pusteln oder Knoten auftreten, wenn die Unreinheiten Narben hinterlassen oder wenn die Akne deine Lebensqualität spürbar einschränkt, ist ein Besuch in der dermatologischen Praxis der richtige Schritt. Das gilt besonders für die 20 bis 35 Prozent der Betroffenen mit mittelschweren bis schweren Verläufen. Die Ärztin oder der Arzt kann verschreibungspflichtige Behandlungen einleiten: topische Retinoide wie Trifaroten, bei Frauen je nach Befund Spironolacton oder bei Bedarf systemische Antibiotika, die nach der Leitlinie rational und zeitlich begrenzt eingesetzt werden.

Zögere nicht, auch die psychische Belastung anzusprechen. Akne kann das Selbstbild stark beeinflussen, und wer darunter leidet, darf das ernst nehmen. Eine wirksame Behandlung verbessert nicht nur die Haut, sondern auch das Wohlbefinden.