Trockene Haut spannt, schuppt und juckt. Besonders im Winter, nach langen heißen Duschen oder bei viel Handkontakt mit Wasser und Seife verliert die Haut Feuchtigkeit und damit ihre Schutzfunktion. Dann dringen Reizstoffe leichter ein, die Haut rötet sich und wird empfindlich.

In den meisten Fällen lässt sich das mit einer konsequenten Pflegeroutine in den Griff bekommen. Aber nicht jede trockene Haut hat dieselbe Ursache: Mal reicht eine Umstellung der Pflege, mal steckt eine chronische Hauterkrankung dahinter, die ärztliche Behandlung braucht. Der erste Schritt ist deshalb, zu erkennen, mit welcher Form von trockener Haut du es zu tun hast.
Warum die Haut trocken wird
Die oberste Hautschicht, die Hornschicht, hält normalerweise Feuchtigkeit und schützt vor äußeren Einflüssen. Trocknet sie aus, verliert sie diese Barrierefunktion. Die häufigsten Auslöser sind äußere Faktoren: kalte oder trockene Luft, häufiges Waschen, aggressive Reinigungsmittel und zu heißes Duschen. Mit dem Alter nimmt außerdem die Fähigkeit der Haut ab, selbst Feuchtigkeit zu binden.

Bei manchen Menschen ist trockene Haut jedoch kein vorübergehendes Problem, sondern Teil einer chronischen Erkrankung. Neurodermitis, medizinisch atopische Dermatitis, ist eine entzündliche Hauterkrankung, die in Schüben verläuft. Typisch sind sehr trockene, empfindliche Haut, Rötungen und quälender Juckreiz, häufig in den Ellenbeugen, Kniekehlen oder am Hals. Heilbar ist Neurodermitis nicht, aber die Beschwerden lassen sich deutlich lindern.

Eine weitere Form ist das Handekzem. Es betrifft bis zu zehn Prozent der Bevölkerung und entsteht oft im Beruf. Wer viel mit Wasser, Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln, Kühlschmierstoffen oder anderen Reizstoffen arbeitet, belastet die Haut an den Händen stark. Das führt zu Rötungen, Rissen und Juckreiz. In solchen Fällen ist neben der Pflege auch der Arbeitsschutz gefragt: Hautschutzmittel vor der Arbeit, schonende Reinigung und Pflege danach gehören zu den wichtigsten Maßnahmen.

Die Pflegeroutine, die wirklich hilft
Bei trockener Haut gilt: kurz duschen, lauwarm statt heiß, und danach konsequent eincremen. Heißes Wasser entzieht der Haut zusätzlich Fett. Verwende milde, pH-hautneutrale Waschlotionen und meide stark parfümierte Duschgele. Nach dem Duschen tupfst du die Haut sanft ab und cremst sie ein, solange sie noch leicht feucht ist. So bindet die Creme die Restfeuchtigkeit in der Haut.

Wichtig ist die richtige Textur: Bei sehr trockener Haut greifst du zu reichhaltigen Cremes oder Salben statt zu leichten Lotionen. Bewährte Inhaltsstoffe sind Harnstoff, der Feuchtigkeit bindet, Ceramide, die die Hautbarriere stärken, und Glycerin. Achte darauf, die Pflege nicht nur im Gesicht, sondern auch an Händen, Ellenbogen, Schienbeinen und Füßen anzuwenden, also genau dort, wo die Haut am schnellsten austrocknet.

Wer beruflich viel mit Wasser oder Reinigungsmitteln arbeitet, sollte zusätzlich auf Hautschutz setzen. Schutzhandschuhe bei nassen Arbeiten, eine Schutzcreme vor Beginn und eine rückfettende Pflege nach Feierabend beugen einem Handekzem vor. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin haben dafür eine Leitlinie erarbeitet, die Arbeitgebern und Beschäftigten einen Entscheidungsrahmen gibt.

Was gegen Juckreiz hilft
Juckreiz hat eine Warnfunktion: Er meldet Fremdkörper wie Insekten oder schädlichen Pflanzenkontakt. Bei trockener Haut entsteht er, weil die geschädigte Hautbarriere Reize durchlässt. Kratzen verschlimmert das Problem, denn es verletzt die Haut und verstärkt die Entzündung. Der erste Griff sollte deshalb nicht zur Kratzhand gehen, sondern zu einer kühlenden Maßnahme.
Bei einem akuten Neurodermitis-Schub wirkt sanftes Kühlen am schnellsten. Ein sauberes Baumwolltuch, das du kurz unter kaltes Wasser hältst und auf die betroffene Stelle legst, beruhigt die Haut und lindert den Juckreiz. Auch kühlende Cremes oder Gele aus der Apotheke können helfen. Wichtig ist, die Haut danach einzucremen, damit sie nicht erneut austrocknet.

Hält der Juckreiz länger als sechs Wochen an, sprechen Mediziner von chronischem Pruritus. Dann ist es Zeit, einen Arzt aufzusuchen, denn Juckreiz ist nicht immer ein reines Hautproblem. Auch internistische Erkrankungen, etwa der Leber, der Nieren oder der Schilddrüse, können dahinterstecken. Die S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus standardisiert die Abklärung und berücksichtigt ausdrücklich die subjektive Belastung der Betroffenen.
Wann du zum Arzt solltest
Viele Fälle von trockener Haut lassen sich mit der richtigen Pflege in den Griff bekommen. Es gibt aber klare Signale, bei denen du nicht lange warten solltest: Wenn die Haut trotz regelmäßiger Pflege nicht besser wird, wenn sich Rötungen, Bläschen oder nässende Stellen zeigen, oder wenn der Juckreiz deinen Schlaf und Alltag beeinträchtigt. Auch wenn du den Verdacht hast, dass deine Arbeit die Haut schädigt, lohnt der Gang zur Dermatologin oder zum Dermatologen. Eine frühzeitige Behandlung verhindert, dass sich ein Handekzem oder ein Neurodermitis-Schub verschlimmert.




