Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronische Hauterkrankung, von der in Deutschland mehr als zwei Millionen Menschen betroffen sind. Typisch sind entzündete, gerötete Hautstellen mit silbrig-weißen Schuppen, die vor allem an Ellenbogen, Knien, Kopfhaut und Rücken auftreten. Die Haut fühlt sich rau, trocken und oft auch juckend an.

Weil die Erkrankung nicht ansteckend ist und auf einer erblichen Veranlagung beruht, kannst du niemanden anstecken und musst dich auch nicht isolieren. Was du aber sehr wohl beeinflussen kannst, ist der Zustand deiner Haut: Mit der richtigen Pflege bekommst du schuppige Stellen weicher, reduzierst Spannungsgefühle und verbesserst das Hautbild spürbar. Der wichtigste Grundsatz dabei lautet: Sanft reinigen, konsequent eincremen und reizende Stoffe meiden.
Warum Psoriasis-Haut so trocken ist
Bei Schuppenflechte erneuern sich die Hautzellen viel schneller als normal. Während gesunde Haut ihre Zellen etwa alle vier Wochen erneuert, schafft das die Psoriasis-Haut in nur wenigen Tagen. Die Zellen werden unausgereift an die Oberfläche geschoben und verhornen zu dicken Schuppen. Gleichzeitig verliert die Haut mehr Feuchtigkeit als gesunde Haut, weil die natürliche Barriere gestört ist. Das Ergebnis: Die betroffenen Stellen fühlen sich hart, rau und gespannt an.
Hinzu kommt, dass die Hornschicht bei Psoriasis weniger natürliche Feuchthaltefaktoren enthält. Einer davon ist Harnstoff, medizinisch Urea genannt. Urea ist ein natürlicher Bestandteil der Haut, der Wasser bindet und die Hornschicht geschmeidig hält. Bei Hauterkrankungen und mit zunehmendem Alter sinkt der Urea-Gehalt in der Haut, wodurch sie trockener und schuppiger wird. Cremes mit Urea können diesen Mangel ausgleichen und die Haut wieder weicher machen.
Die richtige Reinigung: Weniger ist mehr
Viele Menschen mit Schuppenflechte neigen dazu, die Schuppen mit kräftigem Waschen und Schrubben entfernen zu wollen. Das ist kontraproduktiv. Aggressive Seifen, heißes Wasser und harte Waschlappen reizen die entzündete Haut zusätzlich und verstärken die Trockenheit. Stattdessen gilt: Lauwarm duschen, milde, pH-neutrale Waschlotionen verwenden und die Haut nach dem Waschen nur vorsichtig mit einem weichen Handtuch abtupfen, nicht rubbeln.

Beim Duschen kannst du ruhig etwas länger einwirken lassen: Ein lauwarmes Bad mit rückfettenden Zusätzen oder Badeölen weicht die Schuppen auf, sodass sie sich sanfter lösen. Nach dem Baden oder Duschen ist die Haut aufnahmefähiger für Pflegeprodukte. Der ideale Zeitpunkt zum Eincremen ist daher direkt danach, solange die Haut noch leicht feucht ist. So schließt die Creme die Feuchtigkeit ein und wirkt besser.

Urea-Cremes: Die wichtigste Waffe gegen raue Stellen
Urea-haltige Pflegeprodukte gehören zu den wirksamsten Mitteln, um Psoriasis-Haut weicher zu machen. Urea bindet Feuchtigkeit in der Hornschicht, macht Schuppen geschmeidiger und verbessert die Aufnahme weiterer Wirkstoffe. In der Neurodermitis-Behandlung ist Urea seit Langem etabliert, und auch bei Psoriasis setzen Dermatologen auf die feuchtigkeitsspendende Wirkung.

Wichtig ist die richtige Konzentration. Niedrige Urea-Konzentrationen eignen sich für die tägliche Pflege trockener, schuppiger Stellen. Höhere Konzentrationen wirken stärker hornlösend und sind sinnvoll, wenn die Schuppen sehr dick sind. Allerdings können hohe Urea-Konzentrationen auf entzündeter oder rissiger Haut brennen. Wenn du empfindlich reagierst, starte mit einer niedrigeren Konzentration und steigere dich langsam.
Bei der Auswahl der Creme kommt es auf die Konsistenz an. Für tagsüber eignen sich leichte Lotionen, die schnell einziehen und nicht fetten. Für die Nacht und für sehr trockene Stellen sind reichhaltige Cremes oder Salben besser, weil sie länger einwirken und die Haut intensiver pflegen. Achte darauf, dass die Produkte möglichst wenig Duft- und Konservierungsstoffe enthalten, die die Haut reizen können.

Kopfhaut-Pflege: Schuppen ohne Schuppenflechte-Look
Die Kopfhaut ist bei etwa der Hälfte aller Psoriasis-Patienten mitbetroffen. Schuppen auf der Kopfhaut sind besonders unangenehm, weil sie sichtbar auf die Kleidung fallen und oft mit normalen Schuppen verwechselt werden. Auch hier hilft Urea: Spezielle Kopfhaut-Shampoos mit Urea lösen die Schuppen sanft und spenden Feuchtigkeit.

Zusätzlich kannst du die Kopfhaut regelmäßig mit einer rückfettenden Pflege behandeln. Trage dazu abends eine Urea-haltige Creme oder ein Pflegeöl auf die betroffenen Stellen auf, massiere sie sanft ein und wasche sie am nächsten Morgen mit einem milden Shampoo aus. Das weicht die Schuppen auf und erleichtert das Entfernen. Vermeide dabei unbedingt das Kratzen mit den Fingernägeln oder Kämmen mit scharfen Zinken, denn das verletzt die Haut und kann neue Entzündungen auslösen.
Was du bei der Pflege vermeiden solltest
Nicht jede Pflege ist bei Schuppenflechte geeignet. Einige Inhaltsstoffe und Gewohnheiten verschlimmern die Symptome eher, als dass sie helfen. Dazu gehören:
- Alkoholhaltige Produkte wie Parfums, Rasierwässer oder Gesichtswasser mit hohem Alkoholanteil trocknen die Haut aus
- Synthetische Duftstoffe, die allergische Reaktionen und Reizungen auslösen können
- Kratzige Materialien wie grobe Wolle direkt auf der Haut, die mechanisch reizen
- Zu heißes Duschen oder Baden, das die Haut zusätzlich austrocknet
Auch Stress spielt bei Schuppenflechte eine große Rolle. Viele Betroffene berichten, dass ihre Schübe in stressigen Phasen schlimmer werden. Entspannungstechniken, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung können daher indirekt auch der Haut zugutekommen. Gleiches gilt für Alkohol und Rauchen: Beides kann Schübe begünstigen und den Hautzustand verschlechtern.

Pflegeroutine für den Alltag: So integrierst du die Pflege
Eine konsequente Pflegeroutine ist bei Schuppenflechte entscheidend. Einmal am Tag eincremen reicht oft nicht aus, besonders im Winter oder bei trockener Heizungsluft. Plane feste Pflegezeiten ein, zum Beispiel morgens nach dem Duschen und abends vor dem Schlafengehen. So wird das Eincremen zur Gewohnheit und du vergisst es nicht.
Für die tägliche Routine hat sich folgender Ablauf bewährt: Morgens duschst du lauwarm, tupfst die Haut trocken und cremst die betroffenen Stellen mit einer leichten Urea-Lotion ein. Abends trägst du eine reichhaltigere Creme auf, die über Nacht wirken kann. Wenn du unter der Woche wenig Zeit hast, reicht es, die besonders trockenen Stellen wie Ellenbogen und Knie gezielt zu pflegen.

Bei hartnäckigen Schuppen kannst du zusätzlich auf keratolytische Wirkstoffe wie Salicylsäure setzen, die die Hornschicht auflösen. Sie sind in manchen Pflegeprodukten enthalten und erleichtern das Entfernen dicker Schuppen. Allerdings solltest du Salicylsäure nicht großflächig anwenden, weil sie über die Haut aufgenommen wird und in hohen Dosen Nebenwirkungen haben kann. Sprich die Anwendung am besten mit deinem Hautarzt ab.
Wann du zum Arzt gehen solltest
Die richtige Pflege kann viel bewirken, aber sie ersetzt keine medizinische Behandlung. Wenn die Schuppenflechte trotz guter Pflege nicht besser wird, sich die betroffenen Stellen ausbreiten oder stark entzünden, solltest du einen Hautarzt aufsuchen. Auch wenn die Schuppen sehr dick sind oder die Gelenke schmerzen, ist eine ärztliche Behandlung sinnvoll. Die aktualisierte S3-Leitlinie zur Psoriasis-Therapie nennt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, von äußerlichen Präparaten über Lichttherapie bis hin zu systemischen Medikamenten, die den Krankheitsverlauf von innen beeinflussen.

Dein Hautarzt kann dir auch bei der Auswahl der passenden Pflegeprodukte helfen und beurteilen, welche Urea-Konzentration für deine Haut geeignet ist. Gerade bei großflächigen oder hartnäckigen Schuppen lohnt sich die professionelle Beratung, denn nicht jede Creme wirkt bei jedem gleich gut.



