Nach einem langen Tag fällt das Abschminken oft schwer. Die Couch lockt, das Bett auch. Doch wer Make-up über Nacht auf der Haut lässt, riskiert mehr als nur einen grauen Teint am Morgen. Make-up kann Hautunreinheiten begünstigen, besonders bei unreiner oder empfindlicher Haut. Die gute Nachricht: Eine einfache Abendroutine braucht keine zehn Produkte. Zwei Reinigungsschritte reichen, um Make-up, Sonnencreme und Talgreste zuverlässig zu entfernen und die Haut auf die Pflege vorzubereiten.

Die Methode heißt Double Cleansing und kommt aus Japan und Korea. Dabei reinigst du die Haut in zwei Phasen: Zuerst löst ein Produkt auf Ölbasis Make-up und Sonnencreme, danach entfernt ein wasserbasiertes Reinigungsprodukt Schweiß, Talg und Rückstände. Das Ergebnis ist eine porentiefe Reinigung, die Seren und Cremes besser aufnehmen lässt.

Warum Abschminken mehr ist als Make-up entfernen

Wer abends nicht abschminkt, lässt nicht nur Farbe auf der Haut. Make-up, Sonnencreme und Talg bilden über Nacht einen Film, der die Poren verstopfen kann. Bei unreiner Haut verstärkt das Unreinheiten, bei empfindlicher Haut kann es zu Rötungen und Spannungsgefühl führen. Die Haut erneuert sich nachts, und das funktioniert besser, wenn sie frei von Rückständen ist.

Dabei kommt es nicht auf den Preis oder die Verpackung des Reinigungsprodukts an. Entscheidend ist, ob wissenschaftliche Daten die Wirkung belegen, sagt Prof. Dr. Claudia Borelli. Produkte größerer Firmen oder von Dermatologen empfohlene Dermokosmetika sind häufiger wirksam, aber auch teurer. Das heißt nicht, dass günstige Produkte schlecht sein müssen. Es heißt, dass du auf geprüfte Formulierungen achten solltest, statt auf hübsche Flakons zu vertrauen.

Die einfache Routine: Zwei Schritte, die reichen

Double Cleansing klingt aufwendig, ist aber schnell gelernt. Der erste Schritt arbeitet mit Öl. Öl löst fettlösliche Rückstände wie Make-up und Sonnencreme. Du kannst dafür ein Reinigungsöl, einen Cleansing Balm oder ein ölhaltiges Mizellenfluid verwenden. Beispiele aus der Praxis: Das LIPIKAR Dusch und Badeöl von La Roche-Posay eignet sich auch fürs Gesicht, das TOLERIANE Oil Infused Mizellen Reinigungsfluid ebenfalls. Massiere das Öl sanft in die trockene Haut ein, nimm dir Zeit für die Augenpartie, wo wasserfestes Mascara oft hartnäckig sitzt.

Der zweite Schritt folgt mit Wasser. Ein Reinigungsschaum, ein Gel oder ein Mizellenwasser entfernt jetzt Schweiß, Talg und die Reste des Öls. Auch hier gilt: Sanft massieren, nicht reiben. Danach die Haut mit lauwarmem Wasser abspülen und mit einem weichen Handtuch abtupfen. Die Haut fühlt sich danach sauber an, ohne zu spannen.

Diese zwei Schritte dauern zusammen nur wenige Minuten. Wer abends müde ist, kann den ersten Schritt auf die besonders geschminkten Stellen konzentrieren und den zweiten Schritt schnell über das ganze Gesicht führen. Wichtig ist die Reihenfolge: erst Öl, dann Wasser. Reinigst du nur mit Wasser, bekommst du wasserfestes Make-up nicht vollständig entfernt. Öl allein lässt dagegen Talg und Schweiß auf der Haut.

Welcher Reinigungstyp passt zu deiner Haut?

Nicht jedes Reinigungsprodukt passt zu jedem Hauttyp. Bei trockener Haut greifst du zu ölhaltigen Reinigern oder milden Mizellenwässern, die Feuchtigkeit spenden. Bei fettiger oder unreiner Haut eignen sich schaumbildende Reinigungsgele, die überschüssigen Talg entfernen, ohne die Haut auszutrocknen. Empfindliche Haut verträgt am besten parfümfreie Produkte mit wenigen Inhaltsstoffen.

Ein einfacher Test hilft bei der Auswahl: Nach dem Reinigen sollte sich die Haut angenehm anfühlen, nicht spannen und nicht glänzen. Spannt sie, ist der Reiniger zu aggressiv. Glänzt sie, wurde zu viel Feuchtigkeit entzogen und die Haut produziert nach. Ein gutes Reinigungsprodukt hinterlässt ein neutrales Gefühl.

Weniger ist mehr: Die Haut nicht überfordern

Eine Abendroutine muss nicht aus vielen Wirkstoffen bestehen. Prof. Dr. Claudia Borelli rät davon ab, zu viele verschiedene Inhaltsstoffe gleichzeitig zu verwenden, weil das die Haut überfordern kann. Nach der Reinigung reicht oft eine Feuchtigkeitscreme. Wer zusätzlich ein Serum nutzen möchte, sollte sich auf einen Wirkstoff konzentrieren, der zum Hautbedürfnis passt.

Ein gutes Beispiel ist Vitamin C. Der Wirkstoff ist gut erforscht und unterstützt den Kollagenaufbau, zerfällt jedoch schnell. Deshalb muss ein Vitamin-C-Produkt licht- und luftgeschützt verpackt sein. Wenn du ein solches Serum verwendest, achte auf dunkle Tuben oder Pumpspender und verschließe sie nach jeder Anwendung gut. So bleibt die Wirkung erhalten.

Wenn die Zeit knapp ist: Die Minimalvariante

Manchmal bleibt abends keine Zeit für zwei Schritte. Dann ist ein Schritt besser als keiner. Nimm ein Mizellenwasser, das auch wasserfestes Make-up entfernt, und arbeite mit einem Wattepad. Tränke das Pad, halte es kurz auf die geschlossenen Augen, damit sich das Make-up löst, und wische dann sanft nach außen. Wechsle das Pad, sobald es verschmutzt ist, damit du keine Rückstände über das Gesicht verteilst.

Auch diese Minimalvariante solltest du nicht überspringen. Wer regelmäßig mit Make-up schläft, merkt das langfristig an verstopften Poren und einem fahlen Teint. Die wenigen Minuten am Abend zahlen sich am Morgen aus, wenn die Haut frisch und aufnahmefähig für die Tagespflege ist.