Deine Haut spannt, rötet sich oder brennt nach dem Auftragen einer Creme, und du weißt nicht genau, woran es liegt. Ein häufiger Auslöser sind Duftstoffe: Sie gehören zu den häufigsten Verursachern von Kontaktallergien bei Kosmetika. Wer empfindliche Haut hat, an Neurodermitis leidet oder bereits auf ein Produkt reagiert hat, fährt mit parfümfreier Gesichtspflege meist besser.
Das Gute: Du musst nicht auf Pflegewirkung verzichten, und du findest passende Produkte in jeder Preisklasse. Öko-Test hat 20 parfümfreie Gesichtscremes untersucht, und einer der Testsieger kostet weniger als 10 Euro. Dieser Beitrag erklärt, woran du parfümfreie Pflege erkennst, welche Inhaltsstoffe du meiden solltest und wie du die richtige Creme für deinen Hauttyp findest.
Was „parfümfrei“ auf der Verpackung wirklich bedeutet
Die Kosmetikverordnung schreibt vor, dass alle Inhaltsstoffe auf der Verpackung aufgelistet werden müssen. Für Duftstoffe gibt es eine Ausnahme: Sie dürfen als Sammelbezeichnung „Duft“ oder „Parfum“ angegeben werden, ohne ihre genaue Zusammensetzung zu nennen. Das klingt praktisch, ist für Allergiker aber eine Falle, denn hinter dieser Angabe können Dutzende verschiedene Substanzen stecken.
Seit einigen Jahren gilt eine strengere Regel: 80 bekannte allergieauslösende Duftstoffe müssen einzeln aufgeführt werden, wenn sie bestimmte Konzentrationen überschreiten. Die genauen Grenzwerte hängen von der Produktart ab. Das bedeutet: Wenn auf deiner Creme „Duft“ steht, kann sie trotzdem einzelne allergene Stoffe enthalten, die aber unter der Kennzeichnungsschwelle liegen. Für empfindliche Haut ist das ein Risiko.
Achte deshalb nicht nur auf die Angabe „parfümfrei“, sondern auch auf die INCI-Liste, die Inhaltsstoffliste auf der Rückseite. Steht dort „Parfum“ oder „Duft“, enthält das Produkt Duftstoffe. Fehlt diese Angabe komplett, ist das Produkt tatsächlich ohne zugesetzte Duftstoffe formuliert. Vorsicht gilt bei Produkten mit natürlichen ätherischen Ölen: Auch Lavendelöl, Zitronenöl oder Teebaumöl sind Duftstoffe und können Allergien auslösen, auch wenn sie als „natürlich“ beworben werden.
So liest du die INCI-Liste richtig
Die INCI-Liste ist dein wichtigstes Werkzeug beim Einkauf. Sie listet alle Inhaltsstoffe in absteigender Reihenfolge ihrer Menge auf. Wenn du gezielt nach parfümfreier Pflege suchst, gehst du so vor:
Suche zuerst nach den Wörtern „Parfum“, „Duft“ oder „Aroma“. Taucht eines davon auf, ist das Produkt nicht parfümfrei. Danach prüfst du, ob einzelne Duftstoffe namentlich genannt werden. Dazu gehören typische Namen wie Linalool, Citronellol, Geraniol, Limonene oder Eugenol. Diese Stoffe kommen auch natürlich in ätherischen Ölen vor und müssen ab der genannten Konzentration einzeln deklariert werden. Wenn du sie auf der Liste siehst, weißt du, dass das Produkt Duftstoffe enthält, auch wenn kein „Parfum“ darauf steht.
Ein Beispiel: Eine Creme mit der Angabe „Parfum“ und zusätzlich „Linalool“ auf der INCI-Liste enthält sowohl eine Duftstoffmischung als auch einen einzeln deklarierten allergenen Stoff. Eine Creme ohne „Parfum“ und ohne einzelne Duftstoffnamen ist dagegen wirklich frei von zugesetzten Duftstoffen. Produkte, die als „parfümfrei“ oder „ohne Duftstoffe“ gekennzeichnet sind, verzichten in der Regel auf beide.
Für wen parfümfreie Pflege sinnvoll ist
Parfümfreie Gesichtspflege ist nicht nur für Menschen mit diagnostizierter Allergie geeignet. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) setzt sich dafür ein, dass es mehr Produkte ohne allergieauslösende Zusätze gibt, und empfiehlt für empfindliche Haut, auf parfümfreie Produkte zu setzen. Das betrifft dich, wenn du zu den folgenden Gruppen gehörst:
- Du hast trockene, spannende oder schuppige Haut, die schnell reagiert.
- Du leidest an Neurodermitis oder Rosacea und deine Haut ist chronisch gereizt.
- Du hast nach einem neuen Produkt schon einmal Rötungen, Juckreiz oder Pusteln bekommen.
- Du nutzt mehrere Pflegeprodukte gleichzeitig und willst das Risiko von Wechselwirkungen verringern.
Auch wer keine sichtbaren Reaktionen hat, profitiert von parfümfreier Pflege, denn Duftstoffe können die Hautbarriere schwächen, ohne dass sofort etwas zu spüren ist. Das gilt besonders für Produkte, die lange auf der Haut bleiben, also Tagescremes, Nachtpflege und Sonnenschutz. Bei Reinigungsprodukten, die du abspülst, ist das Risiko geringer, aber auch hier gilt: Je weniger unnötige Zusätze, desto besser für empfindliche Haut.
So findest du die passende Creme für deinen Hauttyp
Parfümfrei heißt nicht automatisch mild oder für jeden Hauttyp geeignet. Entscheidend ist die Grundlage der Formulierung. Für trockene Haut brauchst du reichhaltige Pflege mit Lipiden und Feuchthaltemitteln wie Glycerin, Hyaluronsäure oder Ceramiden. Für fettige oder zu Unreinheiten neigende Haut eignen sich leichte Gele oder Fluids, die nicht komedogen sind, also die Poren nicht verstopfen. Normale Haut kommt mit einer ausgewogenen Creme mit mittlerer Konsistenz gut zurecht.
Ein konkreter Weg: Wähle zuerst die Textur, die zu deinem Hautgefühl passt, und prüfe dann die INCI-Liste auf Duftstoffe. Viele Marken bieten mittlerweile parfümfreie Versionen ihrer Klassiker an, oft in der „Sensitive“- oder „Skin Balance“-Linie. Wenn du unsicher bist, starte mit einer einfachen Creme mit wenigen Inhaltsstoffen. Je kürzer die INCI-Liste, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelner Stoff deine Haut reizt.
Bevor du eine neue Creme ins Gesicht aufträgst, teste sie an einer unauffälligen Stelle. Trage eine kleine Menge auf die Innenseite deines Unterarms auf und beobachte die Stelle. Reagiert die Haut dort nicht mit Rötung oder Juckreiz, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du die Creme im Gesicht verträgst. Diesen Patch-Test kannst du bei jedem neuen Produkt wiederholen, besonders wenn du zu Allergien neigst.
Auch Reinigung und Sonnenschutz ohne Duft
Die Creme ist nicht das einzige Produkt, das du umstellen solltest. Auch Reinigungsprodukte, Seren und Sonnenschutz enthalten häufig Duftstoffe, die deine Haut belasten. Ein Reinigungsgel mit Parfum kann die Haut bereits beim Waschen reizen, bevor du überhaupt eine Creme aufträgst. Wähle deshalb eine milde Reinigung ohne Duftstoffe, idealerweise mit einem pH-Wert nahe dem natürlichen Haut-pH-Wert.
Sonnenschutz ist ein eigener Fall: Viele Sonnencremes enthalten sowohl chemische Filter als auch Duftstoffe, und beides kann empfindliche Haut reizen. Parfümfreie Sonnenschutzprodukte gibt es inzwischen von vielen Marken, sowohl mit mineralischen als auch mit chemischen Filtern. Mineralische Filter wie Zinkoxid oder Titandioxid legen sich als Schutzschicht auf die Haut und sind für empfindliche Haut oft besser verträglich, können aber einen weißen Schimmer hinterlassen. Chemische Filter sind unsichtbar, aber manche Menschen reagieren auf einzelne Filtersubstanzen. Probiere aus, welche Variante deine Haut besser annimmt, und achte auch hier auf die INCI-Liste.



