Krauses Haar ist kein Pflegefehler, sondern eine Haarstruktur: Bei Locken und Coils ist der Haarschaft oval oder abgeflacht statt rund, dadurch verbiegt sich das Haar und die Schuppenschicht öffnet sich leichter. Feuchtigkeit entweicht schneller, gleichzeitig dringt Luftfeuchtigkeit ein und lässt die äußere Schicht aufquellen. Das Ergebnis ist Frizz, also fliegende, ungebündelte Haare, besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit.

Die gute Nachricht: Du musst deine Locken nicht glätten, um sie zu bändigen. Eine einfache Routine aus sanfter Reinigung, reichhaltiger Feuchtigkeit und den richtigen Styling-Griffen bringt definierte Locken und Coils zum Vorschein. Der Kern ist simpel: Locken brauchen Wasser und Rückhalt, keine aggressiven Tenside und keine heiße Föhnluft. In den nächsten Abschnitten bekommst du die konkreten Schritte, die du dafür brauchst.

Lockentypen erkennen: Wellen, Locken und Coils brauchen unterschiedliche Pflege
Bevor du Produkte kaufst, solltest du wissen, welche Lockenstruktur du hast. Die gängige Einteilung nach dem Friseur-Lockensystem unterscheidet vier Typen: Typ 2 sind Wellen, Typ 3 sind Locken, Typ 4 sind Coils, also eng gedrehte, federnde Locken. Innerhalb der Typen gibt es Abstufungen von a bis c, die den Durchmesser der Spirale beschreiben.

Du erkennst deinen Typ, indem du dein Haar nach dem Waschen ohne Auskämmen trocknen lässt. Bilden sich lockere S-Formen, hast du Wellen. Ziehen sich die Strähnen zu federnden Spiralen zusammen, sind es Locken. Bilden sich enge, kleine Zickzack-Muster, die beim Trocknen stark schrumpfen, hast du Coils. Der Schrumpf ist bei Coils am stärksten: Ein langes Haar kann trocken deutlich kürzer messen.
Diese Unterscheidung ist nicht akademisch. Wellen vertragen leichte Produkte wie Schaumfestiger und Sprays, Locken brauchen Cremes mit mittlerem Halt, Coils benötigen reichhaltige Butters und Gele, die viel Feuchtigkeit einschließen. Wer mit einem Produkt für Coils seine Wellen pflegt, bekommt schnell fettige, beschwerte Ansätze. Wer umgekehrt Coils mit Wellen-Produkten behandelt, kämpft weiter mit Trockenheit und Frizz.
Die Grundroutine: Waschen, Feuchtigkeit, Styling, Trocknen
Eine einfache Lockenroutine hat vier Schritte, die du jedes Mal in derselben Reihenfolge durchführst. Du brauchst dafür kein Dutzend Produkte, sondern vier bis fünf, die auf deinen Lockentyp abgestimmt sind.
Schritt 1: Sanft reinigen. Normale Shampoos enthalten oft Sulfate, also starke Reinigungssubstanzen, die auch die natürlichen Fette von der Haaroberfläche lösen. Locken und Coils trocknen dadurch noch schneller aus. Greife zu einem sulfatfreien Shampoo oder zu einem Co-Wash, einer Reinigungsspülung, die du weiter unten genauer kennenlernst. Massiere nur die Kopfhaut, nicht die Längen.

Schritt 2: Conditioner großzügig auftragen. Verteile den Conditioner von den Längen bis in die Spitzen und kämme ihn mit den Fingern oder einem grobzinkigen Kamm durch. Das entwirrt das Haar und glättet die Schuppenschicht. Bei sehr trockenen Locken kannst du den Conditioner einige Minuten einwirken lassen, bevor du ihn ausspülst.
Schritt 3: Leave-in und Stylingprodukt. Nach dem Ausspülen arbeitest du bei noch nassem Haar einen Leave-in-Conditioner ein, der nicht ausgespült wird. Danach folgt ein Stylingprodukt, das die Locken bündelt: Creme, Gel oder eine Kombination aus beidem. Der Trick liegt in der Menge: Beginne mit einer kleinen Portion und ergänze bei Bedarf, sonst werden die Locken schwer und kleben zusammen.

Schritt 4: Richtig trocknen. Reibe dein Haar niemals mit einem Handtuch trocken, das raut die Schuppenschicht auf und erzeugt Frizz. Drücke das Wasser stattdessen mit einem Mikrofasertuch oder einem alten Baumwoll-T-Shirt aus. Anschließend kannst du an der Luft trocknen oder einen Diffusor verwenden, den Aufsatz für den Föhn, der die Luft verteilt statt sie direkt auf das Haar zu blasen.
Co-Washing: Wann die Reinigung ohne Shampoo sinnvoll ist
Co-Washing ist die Abkürzung für Conditioner-Washing: Du wäschst dein Haar mit einer speziellen Reinigungsspülung statt mit Shampoo. Diese Spülungen enthalten milde, rückfettende Substanzen, die Schmutz und Stylingreste lösen, aber die natürliche Feuchtigkeitsbarriere des Haares schonen.

Für wen sich das lohnt: vor allem für trockene Locken und Coils, die bei jeder Shampoo-Wäsche an Glanz und Sprungkraft verlieren. Wenn dein Haar nach dem Waschen strohig wirkt und sich die Locken kaum formen, ist Co-Washing einen Versuch wert. Wer dagegen fettige Kopfhaut hat oder viel Stylingprodukt verwendet, sollte nicht komplett auf Shampoo verzichten, sondern abwechseln: einmal pro Woche ein mildes Shampoo, die restlichen Wäschen per Co-Wash.
Die Anwendung ist einfach: Massiere die Reinigungsspülung wie ein Shampoo in die Kopfhaut ein, lass sie kurz einwirken und spüle gründlich aus. Danach folgt der normale Conditioner oder direkt der Leave-in. Ein Vorteil zeigt sich oft nach zwei bis drei Wochen: Die Locken werden weicher, definierter und brauchen weniger Stylingprodukt, weil das Haar selbst mehr Feuchtigkeit speichert.
Styling-Techniken, die Frizz verhindern und Locken formen
Die Technik entscheidet mehr als das Produkt. Drei Griffe solltest du beherrschen, um Locken und Coils zu bündeln:
Scrunching. Nachdem du Leave-in und Stylingprodukt eingearbeitet hast, legst du die Haarpartien von unten in deine Handfläche und drückst sie sanft Richtung Kopfhaut. Das knetende Zusammendrücken bringt die Locken dazu, sich zu formen. Arbeite dich Strähne für Strähne durch den ganzen Kopf.

Plopping. Für definierte Locken ohne Frizz trocknest du das Haar in einem T-Shirt. Lege das T-Shirt auf eine flache Unterlage, beuge dich vor, sodass deine Locken in der Mitte des Stoffs liegen, und schlage die Stoffenden über den Kopf zusammen. Nach einiger Zeit hat das T-Shirt überschüssiges Wasser aufgenommen, ohne die Lockenstruktur zu zerstören.
Finger Coiling. Bei Coils und sehr definierten Locken kannst du einzelne Strähnen um deinen Finger wickeln und so die Spirale vorformen. Das dauert bei kurzem Haar wenige Minuten, bei langem Haar etwas länger, lohnt sich aber für besondere Anlässe oder wenn die Locken nach dem Trocknen ungleichmäßig ausfallen.
Feuchtigkeit bei hoher Luftfeuchtigkeit: So bleibt der Frizz draußen
Hohe Luftfeuchtigkeit ist der häufigste Frizz-Auslöser. Die Feuchtigkeit aus der Luft dringt in das Haar ein, die Schuppenschicht quillt auf und die Locken verlieren ihre Form. Dagegen hilft kein Öl allein, sondern ein Produkt, das eine Schutzschicht um das Haar legt.

Gele mit starkem Halt und Stylingcremes mit filmbildenden Inhaltsstoffen wie Aloe Vera oder bestimmten Polymeren versiegeln die Feuchtigkeit im Haar und halten die Luftfeuchtigkeit draußen. Trage das Produkt auf noch nasses Haar auf und lass es vollständig antrocknen. Wenn das Gel eine harte Kruste bildet, ist das kein Fehler: Sobald das Haar trocken ist, knetest du die Locken vorsichtig mit den Händen durch, die Kruste bricht auf und es bleibt eine weiche, definierte Lockenstruktur zurück.
An sehr feuchten Tagen hilft zusätzlich ein Haaröl, das du nach dem Styling in die Spitzen einarbeitest. Öl allein macht das Haar geschmeidig, hält aber keine Feuchtigkeit draußen, deshalb ist die Reihenfolge wichtig: erst das Gel oder die Creme, dann das Öl.
Die Routine für den nächsten Tag: Locken auffrischen statt neu waschen
Locken und Coils müssen nicht jeden Tag gewaschen werden, im Gegenteil: Zu häufiges Waschen entzieht ihnen Feuchtigkeit. Zwischen den Wäschen frischst du die Locken mit Wasser und etwas Leave-in auf.
Fülle eine Sprühflasche mit Wasser und besprühe dein Haar leicht, bis es feucht, aber nicht tropfnass ist. Verteile dann eine erbsengroße Menge Leave-in oder ein paar Tropfen Wasser-Gel-Mischung in den Händen und knete die Locken vorsichtig durch. Bei sehr trockenen Spitzen hilft ein Tropfen Öl.
Damit die Locken über Nacht in Form bleiben, bindest du sie vor dem Schlafengehen locker zu einer hohen, weichen Hochsteckfrisur zusammen, die an eine Ananas erinnert: Alle Locken werden am oberen Hinterkopf gesammelt und mit einem seidenen Scrunchie fixiert. Ein Seidenkissenbezug reduziert zusätzlich die Reibung, sodass die Locken am Morgen weniger verfilzt und kraus sind.



