Sie schminken gern, probieren neue Looks aus und hören von Freundinnen oft den Satz: „Du könntest das beruflich machen.“ Wer diesen Schritt ernsthaft erwägt, steht vor einer Branche, die anders funktioniert als die meisten Ausbildungsberufe. Der Make-up-Artist ist in Deutschland kein geschützter Beruf. Es gibt keine staatliche Ausbildungsordnung, keine geregelte Abschlussprüfung und keine Behörde, die über die Qualität der Schulen wacht. Statt einer bezahlten Lehre absolvieren angehende Visagistinnen und Visagisten fast immer eine private Ausbildung, die mehrere tausend Euro kostet und zwischen wenigen Wochen und zwei Jahren dauert.

Trotzdem entscheiden sich immer mehr Menschen für diesen Berufszweig. Wer in Mode, Film und Fernsehen arbeiten möchte, kommt an einer fundierten Ausbildung kaum vorbei, denn die Arbeit verlangt weit mehr als das tägliche Schminken für den eigenen Spiegel. Sie verlangt Technik, Übung, ein Auge für Farben und Gesichter und die Fähigkeit, mit Menschen umzugehen.

Dieser Beitrag erklärt, was die Ausbildung zum Make-up-Artist konkret beinhaltet, was sie kostet, woran Sie eine seriöse Schule erkennen und welche Fehler Sie bei der Wahl vermeiden sollten. Am Ende finden Sie einen Fahrplan, der Ihnen die Entscheidung erleichtert.

Was ein Make-up-Artist beruflich macht

Ein Make-up-Artist schminkt Menschen für Kamera, Laufsteg, Bühne oder besondere Anlässe. Das klingt einfacher, als es ist. Der Job verlangt nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch ein sicheres Auge für Farben, Gesichtsformen und das Zusammenspiel von Make-up und Frisur. Ein Look, der im Tageslicht gut aussieht, kann vor der Kamera völlig anders wirken. Deshalb lernen Visagistinnen und Visagisten, ihre Arbeit auf Lichtverhältnisse, Hauttypen und den jeweiligen Anlass abzustimmen.

Die Arbeitsfelder sind breit gefächert. In der Modewelt entstehen Looks für Fotoshootings, Laufstegshows und Kampagnen. Hier zählt Kreativität, denn oft geht es nicht um natürliche Schönheit, sondern um einen bestimmten Ausdruck, der zur Kollektion oder zur Marke passt. In Film und Fernsehen kommt dazu, dass Make-up zur Rolle gehören kann. Die Arbeit reicht vom natürlichen Alltagslook bis zum Charakter-Make-up, das eine Figur erst glaubwürdig macht. Vor der Kamera gelten zudem besondere Regeln: Glanz muss gebannt, Konturen müssen gesetzt werden, und Farben verhalten sich unter Studiolicht anders als im Alltag.

Viele Make-up-Artist arbeiten außerdem im Brautgeschäft, bei Events oder in der Kosmetik. Das Braut-Make-up ist ein eigenes Feld mit eigenen Anforderungen. Die Braut möchte am wichtigsten Tag ihres Lebens gut aussehen, das Make-up muss viele Stunden halten und auf Fotos wirken. Dazu kommen Beratung, Proben und ein früher Termin am Hochzeitstag. Manche Visagistinnen und Visagisten spezialisieren sich auf diesen Bereich, andere bedienen mehrere Felder gleichzeitig.

Wer sich für den Beruf entscheidet, sollte auch die Schattenseiten kennen. Der Umgang mit Models, Schauspielerinnen und Kundinnen ist nicht immer glamourös. Gerade in der Modewelt sind Visagistinnen und Visagisten häufig die ersten Ansprechpersonen am Set und werden zum Abladeort für Probleme und Wehwehchen der Models. Dazu kommen lange Arbeitstage, frühe Termine und ein hoher Termindruck. Pünktlichkeit, Freundlichkeit und Kritikfähigkeit sind keine netten Zusatzeigenschaften, sondern Grundvoraussetzungen.

Auch Small Talk gehört zum Beruf. Während der Arbeit am Gesicht entsteht eine enge Nähe, und viele Kundinnen und Models erzählen dabei von sich. Ein guter Make-up-Artist führt diese Gespräche, ohne die Konzentration auf die Arbeit zu verlieren. Wer Menschen nicht mag oder unter Druck schnell gereizt reagiert, wird in diesem Beruf schwer glücklich.

Make-up-Artist oder Visagist: Wo liegt der Unterschied?

Im Alltag werden die Begriffe Make-up-Artist und Visagist meist synonym verwendet. Streng genommen ist der Visagist die deutsche Bezeichnung, der Make-up-Artist die englische. Beide beschreiben dieselbe Tätigkeit: das professionelle Schminken von Menschen für Foto, Film, Bühne oder Alltag.

Einige Schulen und Studios ziehen trotzdem eine feine Grenze. Danach arbeitet der Visagist eher im Bereich Beauty und Korrektur, also beim Ausgleichen von Hautunreinheiten, Betonen von Vorzügen und Gestalten von Alltags- und Abendlooks. Der Make-up-Artist dagegen arbeitet stärker kreativ und konzeptionell, etwa für Modestrecken, Kampagnen oder Filmproduktionen, in denen das Make-up Teil einer Inszenierung ist. Diese Unterscheidung ist nirgends festgeschrieben und wird nicht von allen Anbietern getroffen. Für die Schulwahl spielt sie kaum eine Rolle, weil die meisten Ausbildungen beide Bereiche abdecken. Wichtiger ist die Frage, welche Schwerpunkte die jeweilige Schule setzt und in welchem Bereich Sie später arbeiten möchten.

Kein geschützter Beruf: Was das für Ihren Einstieg bedeutet

Der wichtigste Punkt für alle, die über eine Ausbildung nachdenken: In Deutschland darf sich jeder Make-up-Artist nennen, ohne ein Zeugnis vorzuweisen. Der Beruf ist nicht geschützt, es gibt keine staatlichen Regelungen und keine Pflicht zur Ausbildung. Wer sich selbstständig machen möchte, meldet ein Gewerbe an oder informiert das Finanzamt, und schon kann die Tätigkeit beginnen.

Das hat zwei Seiten. Die gute Nachricht: Niemand braucht eine Erlaubnis, um mit der Arbeit anzufangen, und Quereinsteiger haben eine Chance. Die schlechte Nachricht: Weil der Titel nichts über die Qualifikation aussagt, müssen Kundinnen und Kunden vertrauen, dass jemand sein Handwerk beherrscht. Genau hier liegt der Wert einer guten Ausbildung. Sie liefert nicht nur Techniken, sondern auch ein Portfolio, das die Arbeit belegt.

Aus dem fehlenden Schutz folgt außerdem: Die Bezeichnung „Schule“ oder „Academy“ sagt nichts über die Qualität eines Anbieters aus. Auch vermeintliche Qualitätssiegel sind kein verlässlicher Maßstab, weil es keine unabhängige Kontrollinstanz gibt. Manche Kurse werben mit einem IHK-Zeugnis. Da der Beruf nicht staatlich anerkannt ist, bescheinigt ein solches Zeugnis in der Regel die Teilnahme an einem bestimmten Kurs, nicht aber eine staatlich anerkannte Berufsausbildung. Entscheidend ist deshalb nicht das Papier am Ende, sondern was Sie während der Ausbildung tatsächlich lernen und üben.

Das klingt ernüchternd, hat aber einen praktischen Vorteil: Sie können die Ausbildung nach Ihren Bedürfnissen wählen. Es gibt keine vorgeschriebene Stundenzahl, keinen einheitlichen Lehrplan und keine Norm, an die sich Schulen halten müssen. Sie entscheiden, ob Sie einen kompakten Intensivkurs, eine einjährige Vollzeitausbildung oder ein berufsbegleitendes Teilzeitmodell absolvieren. Diese Freiheit verlangt allerdings, dass Sie sich selbst gut informieren und die Qualität einer Schule kritisch prüfen.

So läuft die Ausbildung zum Make-up-Artist ab

Anders als eine klassische Ausbildung, die in Deutschland meist drei Jahre dauert und vergütet wird, ist die Ausbildung zum Make-up-Artist eine private Weiterbildung. Die Dauer variiert stark: Es gibt Intensivkurse über wenige Wochen, berufsbegleitende Teilzeitmodelle über mehrere Monate und einjährige Vollzeitausbildungen. In fast jeder größeren Stadt gibt es inzwischen eine Make-up-Schule, die neben kurzen Seminaren und Fortbildungen meist einjährige Ausbildungen anbietet.

Die Inhalte sind praxisorientiert. Am Anfang steht der grundlegende Umgang mit Lippenstift, Kajal und Lidschatten. Dazu kommen Techniken für verschiedene Anlässe: ein leichtes Tages-Make-up, ein elegantes Abend-Make-up oder ein stylisiertes Make-up im Stil der 1920er-Jahre. Solche historischen Looks gehören an vielen Schulen zum Programm, weil sie Techniken verlangen, die über das Alltags-Make-up hinausgehen. Hinzu kommen Hautanalyse, Farbtypenlehre, Korrekturtechniken und der Umgang mit professionellen Produkten und Werkzeugen.

Übung steht dabei ganz oben auf dem Stundenplan. Um neue Techniken zu trainieren, laden viele Schulen Modelle ein oder lassen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aneinander arbeiten. So entsteht schnell Routine, und man lernt, mit unterschiedlichen Gesichtern und Hauttypen umzugehen. Wer schon während der Ausbildung viele verschiedene Menschen schminkt, ist später im Beruf klar im Vorteil. Viele Schulen organisieren außerdem Ausflüge zu Events oder Shootings, damit die Schülerinnen und Schüler den Beruf in der Praxis kennenlernen und erste Kontakte knüpfen können.

Ein konkretes Beispiel zeigt, wie unterschiedlich die Modelle ausfallen können. Eine Teilzeitausbildung in Frankfurt läuft über fünf bis sechs Monate und richtet sich an Menschen, die nebenbei arbeiten oder andere Verpflichtungen haben. Der Unterricht findet an festen Tagen statt, dazu kommen Übungszeiten. Laut Anbieter sind in der Gebühr eine Grundausstattung im Wert von rund 1.700 Euro, ein gemeinsames Shooting, die Erstellung eines Referenz-Portfolios, Prüfungen und ein Zertifikat enthalten. Solche Leistungen sind nicht selbstverständlich, deshalb lohnt sich der Blick ins Kleingedruckte.

Ein typischer Ausbildungsabschnitt könnte so aussehen: In den ersten Wochen lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Grundlagen, also Produktkunde, Hygiene, Hautvorbereitung und einfache Techniken. Danach folgen komplexere Looks und Korrekturtechniken. Gegen Ende der Ausbildung steht die Arbeit an Modellen im Mittelpunkt, oft verbunden mit einem Shooting, dessen Ergebnisse ins Portfolio wandern. Prüfungen können praktische Aufgaben, schriftliche Tests oder die Präsentation eigener Arbeiten umfassen. Wie genau das abläuft, legt jede Schule selbst fest.

Was die Ausbildung kostet und wie Sie sie finanzieren

Die Kosten sind der Punkt, an dem viele Interessierte ins Stocken geraten. Eine einjährige Ausbildung an einer privaten Schule kostet im Durchschnitt rund 12.000 Euro. Je nach Schule, Stadt und Ausstattung kann es günstiger oder deutlich teurer werden. Die genannte Teilzeitausbildung in Frankfurt schlägt mit mindestens 5.900 Euro zu Buche, wobei Materialpaket, Shooting und Portfolio bereits enthalten sind.

Wichtig ist, die Gesamtkosten zu kalkulieren, nicht nur die Kursgebühr. Viele Schulen verlangen zusätzlich Geld für Material, das über die Grundausstattung hinausgeht, für Prüfungen, Zertifikate oder das Abschluss-Shooting. Auch Anreise, Unterkunft bei auswärtigen Schulen und die Zeit ohne Einkommen während einer Vollzeitausbildung gehören in die Rechnung. Wer nebenher arbeiten muss, sollte ein Teilzeitmodell in Betracht ziehen. Die längere Dauer wird durch die Möglichkeit ausgeglichen, weiterhin Geld zu verdienen.

Die Finanzierung ist in den meisten Fällen Privatsache. Eine Förderung durch das Arbeitsamt ist selten, aber nicht ausgeschlossen. Einzelne Schulen werben ausdrücklich damit, Bildungsgutscheine anzunehmen, und bieten eigene Finanzierungsmodelle oder Ratenzahlung an. Wer einen Bildungsgutschein in Betracht zieht, sollte vor der Anmeldung klären, ob die Schule und der gewünschte Kurs die Voraussetzungen dafür erfüllen. Auch ein Nebenjob während der Ausbildung ist eine Option, verlangt aber Disziplin, weil die Ausbildung selbst schon viel Zeit und Energie fordert.

Ein weiterer Punkt, den viele unterschätzen: Die Ausgaben enden nicht mit dem Abschluss. Nach der Ausbildung brauchen Sie professionelles Werkzeug und Produkte für die eigene Arbeit, dazu kommen Versicherungen, Fahrtkosten und die Pflege Ihres Portfolios. Wer sich selbstständig macht, sollte außerdem Rücklagen für Phasen ohne Aufträge bilden. Eine ehrliche Finanzplanung vor der Ausbildung verhindert böse Überraschungen.

Die richtige Schule finden: Worauf es ankommt

Weil der Beruf nicht geschützt ist und es keine staatliche Qualitätskontrolle gibt, hängt der Wert der Ausbildung fast vollständig von der Schule und den Lehrkräften ab. Eine gute Schule erkennen Sie nicht am Namen, am Logo oder an der Website, sondern an konkreten Details.

Der wichtigste Schritt ist der Besuch vor Ort. Nehmen Sie sich Zeit für ein Beratungsgespräch, schauen Sie sich die Räume an und achten Sie darauf, wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem Kurs sind. Kleine Gruppen bedeuten mehr Übungszeit pro Person. Fragen Sie nach den Lehrkräften: Wer unterrichtet, welche berufliche Erfahrung bringen die Dozentinnen und Dozenten mit, und arbeiten sie selbst noch als Make-up-Artist? Wer nur theoretisch unterrichtet, kann Ihnen wenig über den Alltag im Beruf erzählen.

Sprechen Sie außerdem mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern. Das ist in Zeiten von Internet und sozialen Netzwerken einfacher geworden. Suchen Sie nach Absolventinnen und Absolventen der Schule, schauen Sie sich deren Portfolios an und fragen Sie nach ihren Erfahrungen. Waren sie mit der Betreuung zufrieden? Haben sie nach der Ausbildung Arbeit gefunden? Solche Auskünfte sagen mehr als jede Werbung.

Achten Sie auch auf die Transparenz der Schule. Eine seriöse Einrichtung nennt die Kosten offen, erklärt, welche Leistungen im Preis enthalten sind, und legt den Ablauf der Ausbildung schriftlich dar. Wer mit vagen Versprechungen arbeitet oder Druck aufbaut, sollte misstrauisch machen. Gleiches gilt für Anbieter, die mit angeblichen Qualitätssiegeln werben, die niemand überprüfen kann.

Konkrete Fragen, die Sie jeder Schule stellen sollten:

  • Wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind in einem Kurs?
  • Wie viele Stunden Übung sind pro Woche eingeplant?
  • Wer unterrichtet und welche Berufserfahrung haben die Lehrkräfte?
  • Was ist im Preis enthalten, was kostet extra?
  • Wie viele Modelle stehen für Übungen zur Verfügung?
  • Findet ein Abschluss-Shooting statt und bekommen wir die Bilder für das Portfolio?
  • Wie läuft die Prüfung ab und welches Zertifikat erhalten wir?
  • Gibt es Unterstützung beim Einstieg in den Beruf?
  • Können wir mit ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sprechen?

Nehmen Sie sich Zeit für diese Fragen. Eine gute Schule beantwortet sie offen und ohne Umschweife. Eine Schule, die ausweicht, hat meist einen Grund dafür.

Typische Fehler bei der Schulwahl

Viele Interessierte machen bei der Suche ähnliche Fehler. Der erste ist die Entscheidung allein nach dem Preis. Die günstigste Schule ist selten die beste, und die teuerste ist es auch nicht. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Kosten, Inhalten und Übungszeit. Ein günstiger Kurs, der kaum Praxis bietet, ist am Ende teurer als eine solide Ausbildung mit hohem Übungsanteil, weil Sie nach dem Abschluss nicht genug können, um Aufträge zu bekommen.

Der zweite Fehler ist die Wahl nach dem Image. Eine Schule, die mit glamourösen Bildern von Stars und Laufstegen wirbt, verspricht noch keine gute Ausbildung. Hinter dem schönen Schein kann ein oberflächlicher Kurs stecken, der wenig auf den Berufsalltag vorbereitet. Prüfen Sie lieber, was die Absolventinnen und Absolventen tatsächlich können, statt sich von Hochglanzfotos blenden zu lassen.

Der dritte Fehler betrifft das Kleingedruckte. Viele Interessierte vergleichen nur die Kursgebühren und übersehen, dass Material, Prüfungen oder das Portfolio extra kosten. Fragen Sie deshalb immer, was im Preis enthalten ist und was nicht. Eine Schule, die diese Frage nicht klar beantwortet, hat etwas zu verbergen.

Der vierte Fehler ist die Annahme, ein Zertifikat sei automatisch ein Qualitätsnachweis. Weil der Beruf nicht geschützt ist, kann jeder Anbieter eigene Zertifikate ausstellen. Auch ein IHK-Zeugnis bedeutet nicht, dass es sich um eine staatlich anerkannte Ausbildung handelt. Entscheidend ist, was Sie gelernt haben und was Ihr Portfolio zeigt.

Der fünfte Fehler schließlich ist die Unterschätzung der eigenen Voraussetzungen. Wer keine Kritik verträgt, unter Zeitdruck die Ruhe verliert oder keine Geduld für stundenlanges Üben hat, wird die Ausbildung zur Qual. Ein ehrlicher Selbstcheck vor der Anmeldung spart Geld und Enttäuschung. Fragen Sie sich: Halte ich es aus, wenn jemand meine Arbeit kritisiert? Kann ich auch nach sechs Stunden Arbeit noch freundlich sein? Bin ich bereit, am Wochenende zu üben, während andere frei haben?

Diese Eigenschaften sollten Sie mitbringen

Die Ausbildung vermittelt Techniken, aber sie kann keine Persönlichkeit formen. Bestimmte Eigenschaften sollten Sie bereits mitbringen, bevor Sie sich anmelden. Pünktlichkeit steht an erster Stelle, denn am Set oder bei einer Braut zählt jede Minute. Wer zu spät kommt, bringt den gesamten Ablauf durcheinander und riskiert seinen Ruf. Freundlichkeit und ein professioneller Umgang mit Kundinnen und Kunden sind ebenso wichtig, denn Sie arbeiten in einem Bereich, in dem Vertrauen und Nähe eine große Rolle spielen.

Kritikfähigkeit ist eine weitere Grundvoraussetzung. In der Ausbildung und später im Beruf bekommen Sie Rückmeldungen zu Ihrer Arbeit, nicht immer angenehm formuliert. Wer Kritik persönlich nimmt, statt daraus zu lernen, wird es schwer haben. Dazu kommt die Fähigkeit, unter Druck ruhig zu bleiben. Ein Shooting hat einen engen Zeitplan, eine Braut einen festen Termin, und wenn etwas schiefgeht, müssen Sie schnell eine Lösung finden.

Auch das Auge für Farben und Gesichter lässt sich nur bedingt lernen. Ein gutes Farbgefühl, ein Gespür für Proportionen und die Fähigkeit, die Persönlichkeit eines Menschen mit Make-up zu unterstreichen, sind Grundlagen, auf denen die Ausbildung aufbaut. Wer diese Wahrnehmung nicht mitbringt, kann sie trainieren, aber der Weg ist steiniger. Wer sich schon vor der Ausbildung intensiv mit Farben, Gesichtern und verschiedenen Make-up-Stilen beschäftigt, hat einen klaren Vorsprung.

Nicht zuletzt ist körperliche Belastbarkeit gefragt. Make-up-Artist arbeiten oft im Stehen, in gebückter Haltung und über viele Stunden. Dazu kommen frühe Termine, lange Anfahrten und unregelmäßige Arbeitszeiten. Wer sich das nicht zutraut, sollte überlegen, ob der Beruf wirklich passt. Ein Praktikum oder ein Schnuppertag bei einem Make-up-Artist kann helfen, diese Seite des Berufs kennenzulernen, bevor Sie sich für eine teure Ausbildung anmelden.

Karrierewege nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung öffnen sich verschiedene Wege. Viele Absolventinnen und Absolventen arbeiten freiberuflich und bauen sich einen eigenen Kundenstamm auf, etwa im Brautgeschäft, bei Events oder in der Modebranche. Andere finden Anstellungen bei Kosmetikstudios, Fotostudios, Theatern oder Fernsehproduktionen. Der Einstieg gelingt selten über eine einzige Bewerbung, sondern meist über Kontakte, Praktika und die ersten eigenen Aufträge.

Ein interessanter Befund der Branche: Viele erfolgreiche Make-up-Artist haben ursprünglich eine Friseur-Ausbildung absolviert. Das liegt nahe, denn die Arbeit am Menschen, das Gefühl für Farben und das Zusammenspiel von Make-up und Frisur gehören in beiden Berufen zusammen. Wer bereits eine Friseur-Ausbildung hat, bringt also gute Voraussetzungen für die Make-up-Artist-Ausbildung mit und kann später beide Fertigkeiten kombinieren.

Die Bezahlung ist in den meisten Bereichen des Jobs besser als die eines Friseurs, allerdings schwankt sie stark. Freiberuflerinnen und Freiberufler kalkulieren ihre Preise selbst, müssen aber auch Phasen ohne Aufträge überbrücken. Festangestellte verdienen ein regelmäßiges Gehalt, haben dafür weniger Freiheit bei der Wahl ihrer Projekte. Wer in Mode, Film und Fernsehen arbeiten möchte, sollte sich früh um ein aussagekräftiges Portfolio kümmern, denn es ist die wichtigste Visitenkarte in dieser Branche.

Der Weg in den Beruf führt fast immer über Kontakte. Besuchen Sie Events, knüpfen Sie Verbindungen zu Fotografinnen, Models und Stylisten, und zeigen Sie Ihre Arbeit in sozialen Netzwerken. Ein starkes Portfolio, das verschiedene Looks und Techniken zeigt, öffnet mehr Türen als jedes Zertifikat. Wer sich früh einen Namen macht, kann auch als Einsteiger Aufträge bekommen.

Zusammenfassung: Ihr Fahrplan in den Beruf

Die Entscheidung für eine Make-up-Artist-Ausbildung will gut überlegt sein. Fassen wir die wichtigsten Punkte zusammen.

Informieren Sie sich zuerst über den Beruf und seine Realität. Der Alltag besteht aus mehr als aus Schminken: Er besteht aus Terminen, Kundenkontakt, Kritik und langen Arbeitstagen. Wer diese Seiten kennt und trotzdem bleiben will, ist im Vorteil.

Prüfen Sie dann die Schulen. Besuchen Sie mehrere Anbieter, sprechen Sie mit Lehrkräften und ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, und vergleichen Sie die Inhalte. Achten Sie auf die Gruppengröße, den Praxisanteil und die Frage, was im Preis enthalten ist. Lassen Sie sich nicht von Namen, Logos oder angeblichen Siegeln blenden.

Kalkulieren Sie die Kosten ehrlich. Eine einjährige Ausbildung kostet im Schnitt rund 12.000 Euro, Teilzeitmodelle können günstiger sein. Rechnen Sie Material, Prüfungen, Portfolio und Lebenshaltungskosten dazu. Klären Sie vor der Anmeldung, wie Sie die Ausbildung finanzieren und ob eine Förderung in Frage kommt.

Prüfen Sie sich selbst. Bringen Sie Pünktlichkeit, Freundlichkeit, Kritikfähigkeit, ein gutes Farbgefühl und körperliche Belastbarkeit mit? Wenn ja, steht einer Ausbildung nichts im Weg. Wenn nicht, arbeiten Sie zuerst an diesen Punkten.

Die Ausbildung selbst ist intensiv, praxisorientiert und lohnend, wenn die Schule stimmt. Wer sie mit Engagement durchzieht, ein starkes Portfolio aufbaut und erste Kontakte knüpft, hat gute Chancen, in der Branche Fuß zu fassen. Der Titel Make-up-Artist ist in Deutschland nicht geschützt, aber das Können, das hinter ihm steckt, macht den Unterschied. Genau dieses Können ist das Ziel der Ausbildung, und genau dafür lohnt sich die Investition.