Olivenöl steht in fast jeder Küche, und es liegt nahe, das goldene Öl auch auf die Haut zu geben. Die Idee ist nicht neu: Schon in der Antike nutzten Menschen in Griechenland Olivenöl für Kosmetik, Medizin und religiöse Riten.

Antike griechische Amphore mit Olivenöl und Olivenzweigen auf einem Steintisch.
Olivenöl wird seit der Antike für Hautpflege und Rituale genutzt.

Die moderne Forschung zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild als die Wellness-Versprechen. Olivenöl kann die Hautfeuchtigkeit erhöhen, aber bei wiederholter Anwendung auf trockener, empfindlicher oder zu Ekzemen neigender Haut schwächt es die Hautbarriere. Die kurze Antwort: Für normale Haut ist Olivenöl ein günstiges, gut verträgliches Pflegemittel, für empfindliche Haut gibt es bessere Optionen. Woran du das festmachst und wie du das Öl richtig einsetzt, erfährst du gleich.

Was Olivenöl in der Haut bewirkt

Olivenöl besteht zu mehr als 70 Prozent aus der einfach ungesättigten Fettsäure Omega-9, auch Oleinsäure genannt. Diese Fettsäure wirkt entzündungshemmend und ähnelt den natürlichen Fetten der Haut. Dazu kommt Oleocanthal, ein sekundärer Pflanzenstoff, der nur in Olivenöl vorkommt. Laborstudien zeigen, dass Oleocanthal antioxidativ und entzündungshemmend wirkt. Der Haken: Oleocanthal ist hitzeempfindlich. Erhitzt du das Öl zum Braten, verringert sich diese Wirkung. Für die Hautpflege verwendest du das Öl daher am besten unerhitzt.

Nahaufnahme von Olivenöl in einer Glasschale, daneben frische Oliven und ein Tropfen Öl auf einem Löffel.
Die wertvollen Inhaltsstoffe wie Oleocanthal sind hitzeempfindlich – für die Hautpflege das Öl unerhitzt verwenden.

Eine randomisierte Studie aus dem Jahr 2025 mit 54 gesunden Erwachsenen hat natives Olivenöl extra direkt mit Vaseline am Unterarm verglichen. Beide Substanzen erhöhten die Hydration und reduzierten Rötung und Hauttemperatur. Vaseline zeigte stärkere Effekte und verringerte zusätzlich den transepidermalen Wasserverlust, also die Menge an Feuchtigkeit, die durch die Haut verdunstet. Das bedeutet: Olivenöl spendet Feuchtigkeit, aber es verschließt die Haut nicht so effektiv wie Vaseline.

Zwei kleine Schalen, eine mit Olivenöl und eine mit Vaseline, auf einem weißen Labortisch.
Die Studie verglich Olivenöl mit Vaseline: Vaseline verschließt die Haut effektiver.

Die Studie hat klare Grenzen. Sie testete gesunde Unterarmhaut unter kontrollierten Bedingungen. Sie belegt nicht, dass lebensmitteltaugliches Olivenöl das beste Feuchtigkeitsmittel fürs Gesicht ist, und sie sagt nichts über zu Akne neigende Haut aus. Für solche Hauttypen gibt es keine belastbaren Belege, dass Olivenöl hilft.

Wann Olivenöl die richtige Wahl ist

Olivenöl eignet sich vor allem für normale bis leicht trockene Haut, die keine Neigung zu Ekzemen oder Neurodermitis hat. Es ist günstig, überall verfügbar und lässt sich gut mit anderen Ölen mischen. Der Hersteller Wildly Organic empfiehlt Olivenöl für die Hautpflege, weil es von den meisten Hauttypen gut vertragen wird und sich als Make-up-Entferner eignet.

Für trockene, empfindliche oder zu Ekzemen neigende Haut ist Olivenöl dagegen keine gute erste Wahl. Wiederholte Anwendung kann die Hautbarriere schwächen. Wenn du zu Neurodermitis neigst, greif lieber zu speziellen Pflegeprodukten oder zu Vaseline, die in der Studie besser abschnitt.

So wendest du Olivenöl richtig an

Als Make-up-Entferner

Ein paar Tropfen Olivenöl auf ein Wattepad geben und über Augen und Gesicht streichen. Das Öl löst wasserfestes Make-up und Sonnencreme. Anschließend mit einem milden Reiniger oder lauwarmem Wasser nachwaschen, damit kein Fettfilm zurückbleibt.

Eine Hand hält ein Wattepad mit ein paar Tropfen Olivenöl, daneben liegt ein Make-up-Pinsel und ein Abschminktuch.
Olivenöl löst wasserfestes Make-up – danach mit mildem Reiniger nachwaschen.

Als Feuchtigkeitspflege

Nach dem Duschen auf noch leicht feuchte Haut auftragen. Ein bis zwei Tropfen genügen für das Gesicht, für den Körper etwas mehr. Das Öl zieht langsam ein, daher am besten abends verwenden oder nur dünn auftragen.

Eine Person tropft sich nach dem Duschen ein paar Tropfen Olivenöl auf den Unterarm, die Haut ist noch feucht.
Nach dem Duschen auf feuchte Haut auftragen – ein bis zwei Tropfen genügen.

Als Ölreinigung

Ölreinigung funktioniert nach dem Prinzip, dass Fett Fett löst. Massiere einen Teelöffel Olivenöl in die trockene Haut ein und entferne es mit einem warmen, feuchten Tuch. Diese Methode eignet sich für normale Haut, aber nicht für Haut, die zu verstopften Poren neigt.

Eine Person massiert Olivenöl mit den Fingerspitzen in das Gesicht, daneben liegt ein warmes, feuchtes Tuch.
Ölreinigung: Fett löst Fett – mit warmem Tuch abnehmen.

Als Maske oder Zusatz

Du kannst Olivenöl mit anderen Zutaten mischen, zum Beispiel mit Honig oder Avocado für eine pflegende Maske. Ein Teelöffel Öl mit einem halben Teelöffel Honig ergibt eine feuchtigkeitsspendende Kur für trockene Stellen. Lasse die Mischung zehn Minuten einwirken und spüle sie mit lauwarmem Wasser ab.

Eine kleine Schüssel mit einer Mischung aus Olivenöl und Honig, daneben ein Löffel und eine halbe Avocado.
Maske aus Olivenöl und Honig: zehn Minuten einwirken lassen.

Das richtige Olivenöl wählen

Nicht jedes Olivenöl aus dem Supermarkt taugt für die Haut. Der Hersteller Wildly Organic weist darauf hin, dass vieles im Handel erhältliche Öl mit minderwertigen Ölen gestreckt ist. Solches Öl eignet sich nicht für die Hautpflege und kann schnell ranzig werden. Ranziges Öl riecht unangenehm und kann die Haut reizen.

Wähle natives Olivenöl extra, das kaltgepresst ist und die höchste Qualitätsstufe trägt. Achte auf eine dunkle Flasche, denn Licht beschleunigt das Ranzigwerden. Lagere das Öl kühl und verschlossen und verwende es innerhalb weniger Monate, sobald du es für die Haut geöffnet hast. Riecht das Öl muffig oder fettig, gehört es nicht mehr auf die Haut.

Eine dunkle Glasflasche mit nativem Olivenöl extra, daneben ein kleines Glas mit Öl und ein Olivenzweig.
Achte auf natives Olivenöl extra in dunkler Flasche – Licht macht es ranzig.

Wie oft und wie viel

Weniger ist mehr. Für das Gesicht genügen ein bis zwei Tropfen, für den Körper ein Teelöffel. Verwende Olivenöl nicht täglich als einzige Pflege, sondern als Ergänzung oder mehrmals pro Woche. Bei täglicher Anwendung auf empfindlicher Haut steigt das Risiko, dass die Barriere leidet. Wenn du unsicher bist, teste das Öl zuerst an einer kleinen Stelle am Unterarm und beobachte die Reaktion über zwei Tage.

Ein Teelöffel mit einem einzigen Tropfen Olivenöl, daneben eine Hand, die eine kleine Stelle am Unterarm zeigt.
Weniger ist mehr: ein bis zwei Tropfen fürs Gesicht, vorher am Unterarm testen.