Bei einem BH für eine größere Brust müssen Unterbrustband, Cups und Träger gut sitzen. Das Band liegt fest und waagerecht am Brustkorb, während die Cups das Brustgewebe vollständig umschließen. Die Träger sitzen bequem. So erkennen Sie beim Anprobieren, ob der BH Halt gibt, ohne zu drücken oder zu verrutschen.

Die Zahl auf dem Etikett ist dabei nur ein Ausgangspunkt: Größen und Schnitte unterscheiden sich je nach Marke. Entscheidend ist, wie der BH an Ihrem Körper sitzt.
Das Unterbrustband trägt mit
Das Unterbrustband gibt einen großen Teil des Halts. Es sollte eng am Körper anliegen, ohne einzuschneiden, und vorn wie hinten ungefähr waagerecht verlaufen. Rutscht das Rückenteil nach oben oder wandert der BH bei Bewegung, prüfen Sie Bandweite und Cupgröße. Auch stark gespannte Träger können darauf hinweisen, dass das Band zu locker sitzt.

Ein einfacher Sitztest: Nehmen Sie die Träger kurz von den Schultern. Das Band sollte den BH weiterhin weitgehend an Ort und Stelle halten. Diese Prüfung ersetzt keine Anprobe in Bewegung. Sie zeigt aber, ob das Band Halt gibt. Für die verbreitete Faustregel, dass das Band rund 80 Prozent des Brustgewichts trägt, gibt es keinen allgemein gültigen Messwert. Wichtiger ist die praktische Prüfung am eigenen Körper.
Cups müssen vollständig sitzen
Die Cups sollen Ihre Brust vollständig umschließen. Quillt Gewebe oben oder seitlich heraus, sitzt der Cup zu eng oder der Schnitt passt nicht. Wirft der Stoff Falten oder steht ab, ist der Cup möglicherweise zu groß oder nicht passend geformt. Wenn die Brust bei einem tiefen Ausschnitt oben herausrutscht, probieren Sie einen stärker bedeckenden Schnitt.

Auch der Mittelsteg zwischen den Cups gibt Hinweise auf die Passform: Er sollte möglichst flach am Brustbein anliegen, ohne unangenehm zu drücken. Bei unterschiedlich großen Brüsten richten Sie die Cupgröße nach der größeren Seite aus. Die kleinere Brust darf etwas weniger Raum ausfüllen, sollte aber nicht dazu führen, dass die größere eingeengt wird.

Träger sollen bequem liegen
Die Träger halten den BH in Position und beeinflussen den Tragekomfort. Sie sollten auf den Schultern bleiben, ohne einzuschneiden oder herunterzurutschen. Breitere Träger können den Druck angenehmer verteilen. Eine Studie mit 23 sportlich aktiven Frauen mit Cupgröße D oder größer ergab, dass breitere Träger bei einem Sport-BH den Komfort verbesserten und den Druck verringerten. Bei der gemessenen Brustbewegung zeigte sich dadurch jedoch kein statistisch deutlicher Unterschied. Die Ergebnisse beziehen sich auf Sport-BHs und lassen sich nicht direkt auf jedes Alltagsmodell übertragen.

Wenn die Träger trotz guter Einstellung stark in die Schultern schneiden, prüfen Sie zuerst Band und Cups. Noch breitere Träger allein lösen das Problem nicht unbedingt.
Bügel dürfen nicht drücken
Bei einem Bügel-BH sollten die Bügel der natürlichen Brustfalte folgen und auf dem Brustkorb liegen. Sie dürfen nicht auf Brustgewebe drücken, unter dem Arm scheuern oder zwischen den Brüsten unangenehm einschneiden. Sitzt der Bügel auf der Brust, passt entweder die Cupgröße oder die Form des BHs nicht.

Ein BH muss keinen Bügel haben. Auch ein bügelloser BH kann passen, wenn Band, Cups und Schnitt ausreichend Halt geben. Die verfügbaren Untersuchungen belegen keinen allgemeinen Vorteil von Bügel-BHs gegenüber bügellosen Modellen. Entscheiden Sie deshalb nach Sitz und Komfort.

So prüfen Sie die Passform
Ziehen Sie den BH an und bewegen Sie sich ein wenig, statt nur still vor dem Spiegel zu stehen. Heben Sie die Arme, beugen Sie sich nach vorn und richten Sie sich wieder auf. Der BH sollte dabei an Ort und Stelle bleiben. Achten Sie auf diese Punkte:

- Das Unterbrustband liegt waagerecht an und sitzt fest, ohne einzuschneiden.
- Die Cups umschließen die Brust ohne Überquellen, Lücken oder Falten.
- Steg und Bügel drücken nicht auf Brustbein oder Brustgewebe.
- Die Träger bleiben bequem auf den Schultern.
Probieren Sie bei Bedarf auch eine andere Größe oder einen anderen Schnitt. Eine Studie mit 45 Teilnehmerinnen zeigte, dass die traditionelle Größenbestimmung bei der Auswahl häufig nicht mit den professionellen Passformkriterien übereinstimmte. Die konkreten Größenangaben der britischen Untersuchung lassen sich nicht direkt auf deutsche Größensysteme übertragen. Für die Anprobe gilt deshalb: Der Sitz zählt mehr als das Etikett.
Eine professionelle BH-Anpassung kann Ihnen bei der Suche helfen, ersetzt aber nicht Ihre eigene Prüfung der Passform. In einer Studie mit 24 Frauen verbesserten sich nach einer professionellen Anpassung einige Merkmale der Passform. Trotzdem erfüllten 67 Prozent der angepassten BHs die verwendeten Prüfkriterien nicht vollständig.
Halt ist kein Schmerzversprechen
Ein gut sitzender BH kann den Halt und den Tragekomfort verbessern. Das bedeutet nicht, dass ein bestimmtes Modell Rücken-, Nacken- oder Kopfschmerzen sicher verhindert oder behandelt. Kleine Studien untersuchten zwar die Passform und mögliche Auswirkungen auf den Körper, erlauben aber keine allgemeine medizinische Aussage.

Wenn ein BH trotz passender Größe Druckstellen verursacht oder Schmerzen verstärkt, probieren Sie einen anderen Schnitt und lassen Sie die Passform prüfen. Bei anhaltenden Beschwerden ist ärztlicher Rat sinnvoll.


