Vor dem Spiegel liegt die Lidschatten-Palette bereit, doch entsteht immer derselbe Look: etwas Farbe auf dem Lid, ein Eyeliner-Strich. Dabei kann Augen-Make-up mehr: Es betont die Augenform, gleicht hängende Lider aus, lässt kleine Augen größer wirken und passt zu Hautton und Anlass. Entscheidend ist nicht der Preis der Produkte, sondern die Technik, die zu deiner Augenform passt.
Du lernst, deine Augenform zu erkennen, welche Techniken sie betonen und welche Fehler du vermeidest. Konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Alltag, Büro und Abend sowie Entscheidungshilfen bei Farben und Produkten zeigen dir, warum manche Looks funktionieren und andere nicht – und wie du das Beste aus deinen Augen herausholst.
Deine Augenform bestimmen: Der erste Schritt zu passendem Make-up
Bevor du Pinsel und Lidschatten in die Hand nimmst, musst du wissen, welche Augenform du hast. Stell dich ans Fenster, schau geradeaus in den Spiegel und achte auf drei Dinge: die Lidfalte, die Position des äußeren Augenwinkels und die sichtbare Fläche des beweglichen Lids.
Die häufigsten Augenformen sind:
- Mandelförmige Augen: Der äußere Augenwinkel liegt etwas höher als der innere, das Lid ist gleichmäßig gewölbt. Diese Form gilt als besonders vielseitig, fast jede Technik funktioniert.
- Runde Augen: Das Weiße um die Iris ist deutlich sichtbar, das Lid wirkt groß und offen. Hier kannst du mit dunklen Tönen am äußeren Lidrand Tiefe erzeugen.
- Hängende Augenlider: Die Lidfalte ist schwer oder das Lid bedeckt einen Teil des beweglichen Lids. Der Lidschatten muss höher angesetzt werden, damit er überhaupt sichtbar wird.
- Nach unten fallende Augenwinkel: Der äußere Augenwinkel liegt tiefer als der innere, der Blick wirkt müde. Ein nach oben gezogener Eyeliner gleicht das aus.
- Eng stehende Augen: Der Abstand zwischen den Augen ist kleiner als die Breite eines Auges. Helle Töne am inneren Augenwinkel öffnen den Blick.
- Weit auseinanderstehende Augen: Der Abstand ist größer als die Augenbreite. Dunkle Akzente am inneren Augenwinkel holen die Augen optisch zusammen.
Ein einfacher Test: Schau geradeaus und miss im Geiste die Breite eines Auges. Passt diese Breite genau zwischen die beiden inneren Augenwinkel, stehen deine Augen normal. Ist der Abstand kleiner, stehen sie eng, ist er größer, weit.
Die Grundtechnik: So trägst du Lidschatten richtig auf
Die Basis für jeden gelungenen Look ist eine saubere, gleichmäßige Lidschatten-Schicht. Beginne immer mit einer Lidschatten-Base oder einem dünnen Concealer auf dem gesamten Lid. Das verhindert, dass sich die Farbe in feinen Linien absetzt, und lässt die Pigmente kräftiger wirken.
Für den klassischen Dreiklang brauchst du drei Töne: einen hellen Grundton, einen mittleren Übergangston und einen dunklen Akzent. Der helle Ton kommt auf das gesamte bewegliche Lid und unter die Augenbraue. Der mittlere Ton wandert in die Lidfalte und wird mit einer weichen, fluffigen Pinselspitze sanft verblendet. Der dunkle Ton setzt einen Akzent am äußeren Augenwinkel und wird nach innen hin auslaufend verblendet.
Der häufigste Anfängerfehler ist zu viel Farbe auf einmal. Arbeite in dünnen Schichten und baue die Intensität langsam auf. Ein guter Verblendpinsel mit weichen Borsten ist wichtiger als die teuerste Palette. Wenn du unsicher bist, übe zuerst mit neutralen Brauntönen, denn die verzeihen Fehler und lassen sich leichter korrigieren.
Die richtige Farbe für deinen Hautton und deine Augenfarbe
Die Farbe deines Lidschattens sollte zu deinem Hautton und deiner Augenfarbe passen, damit der Look harmonisch wirkt. Als Grundregel gilt: Warme Hauttöne mit goldenem oder olivem Unterton tragen warme Farben wie Bronze, Kupfer, Pfirsich und warmes Braun. Kühle Hauttöne mit rosigem oder bläulichem Unterton tragen kühle Farben wie Silber, Taupe, Mauve und kühles Grau.
Deine Augenfarbe bestimmt, welche Töne sie zum Leuchten bringen:
- Blaue Augen: Warme Kupfer- und Bronzetöne bilden einen Kontrast und lassen das Blau intensiver wirken. Auch Pfirsich und warmes Braun funktionieren gut.
- Grüne Augen: Rötliche und violette Töne wie Pflaume, Aubergine und Rosé heben das Grün hervor. Auch warmes Braun und Bronze sind eine gute Wahl.
- Braune Augen: Fast alles passt. Besonders schön wirken Gold, Bronze, Kupfer und warme Brauntöne, aber auch kühle Grau- und Blautöne setzen Akzente.
- Graue Augen: Sie reagieren auf Kontraste. Dunkles Grau, Silber und kühles Braun betonen die graue Iris, während warme Töne sie wärmer erscheinen lassen.
Wenn du unsicher bist, greife zu neutralen Brauntönen. Sie passen zu jedem Hautton und jeder Augenfarbe und sind die sicherste Wahl für den Alltag.
Eyeliner: Die Linie, die deine Augenform verändert
Eyeliner ist das Werkzeug, das die Augenform am stärksten beeinflusst. Die richtige Linienführung hängt von deiner Augenform ab:
- Mandelförmige Augen: Ein klassischer Lidstrich, der am inneren Augenwinkel dünn beginnt und zum äußeren Ende hin leicht breiter wird, betont die natürliche Form.
- Runde Augen: Zieh den Eyeliner entlang des oberen Wimpernkranzes und verlängere ihn am äußeren Ende leicht nach oben. Das streckt das Auge optisch.
- Hängende Augenlider: Ein dünner Strich direkt am Wimpernkranz, der am äußeren Ende nicht nach unten, sondern leicht nach oben schwingt, öffnet den Blick. Vermeide dicke Linien, die das Lid noch schwerer wirken lassen.
- Nach unten fallende Augenwinkel: Der Eyeliner sollte am äußeren Ende deutlich nach oben gezogen werden, um den Blick zu heben. Beginne die Linie erst ab der Lidmitte, damit der innere Bereich offen bleibt.
- Eng stehende Augen: Zieh den Eyeliner nur ab der Lidmitte bis zum äußeren Augenwinkel. Der innere Bereich bleibt frei, das weitet den Blick.
- Weit auseinanderstehende Augen: Zieh den Eyeliner bis zum inneren Augenwinkel durch und betone den inneren Bereich. Das holt die Augen optisch zusammen.
Für Anfänger ist ein Gel-Eyeliner mit einem abgeschrägten Pinsel am einfachsten zu handhaben. Flüssig-Eyeliner mit Filzspitze eignet sich für präzise Schwünge, ein Kajal-Stift für weiche, rauchige Linien. Übe den Schwung zuerst mit einem dünnen Strich und verstärke ihn erst, wenn die Form sitzt.
Wimpern: Mascara, Wimpernzange und falsche Wimpern
Die Wimpern sind der Rahmen deiner Augen. Gut getuschte Wimpern öffnen den Blick und lassen die Augen größer wirken. Die Wimpernzange ist dabei das unterschätzte Werkzeug: Ein sauberer Schwung hebt die Wimpern an und öffnet das Auge sofort.
So funktioniert die Wimpernzange richtig: Setze sie am Wimpernansatz an, drücke sanft für einige Sekunden und wandere dann in zwei weiteren Schritten zur Spitze. Ziehe die Zange niemals ruckartig, das bricht die Wimpern. Erwärme die Zange kurz mit dem Föhn, wenn du einen länger haltenden Schwung möchtest, aber teste die Temperatur zuerst am Handrücken.
Mascara trägst du in Zickzack-Bewegungen vom Ansatz zur Spitze auf. Das trennt die Wimpern und verhindert Klumpen. Für die unteren Wimpern nimmst du eine Mascara mit feiner Bürste oder hältst die Bürste senkrecht und tupfst nur die Spitzen. Zwei dünne Schichten wirken natürlicher als eine dicke.
Falsche Wimpern sind heute einfacher anzubringen als früher. Einzelwimpern am äußeren Augenwinkel geben einen dezenten Schwung, während Streifenwimpern für den Abend den vollen Effekt liefern. Trage den Wimpernkleber dünn auf, warte einige Sekunden, bis er leicht angetrocknet ist, und setze die Wimpern mit einer Pinzette direkt am Wimpernkranz an. Drücke sie sanft an und fixiere sie mit einer Schicht Mascara.
Concealer und Augenringe: Der Blick wird wach
Augen-Make-up wirkt erst dann vollständig, wenn die Haut unter den Augen ebenmäßig ist. Concealer gleicht dunkle Schatten aus und lässt den Blick wach wirken. Wähle einen Concealer, der ein bis zwei Nuancen heller ist als dein Hautton, aber nicht zu hell, sonst entstehen graue Ringe.
Die richtige Technik: Trage den Concealer in einem Dreieck unter dem Auge auf, mit der Spitze nach unten zur Wange. Das hellt nicht nur den Augenring auf, sondern hebt auch die Wangenpartie. Verblende mit einem feuchten Beautyblender oder dem Ringfinger, indem du tupfst statt reibst. Reiben verwischt die Deckkraft und betont feine Linien.
Bei starken Augenringen hilft ein farbkorrigierender Concealer: Ein pfirsichfarbener oder oranger Ton neutralisiert bläuliche Schatten, ein gelblicher Ton gleicht violette Verfärbungen aus. Trage den Korrektor dünn auf, verblende ihn und setze dann den normalen Concealer darüber. Zum Schluss fixierst du alles mit einem transparenten Puder, damit nichts in die feinen Linien rutscht.
Alltagslook: In fünf Minuten wach und frisch
Der Alltagslook muss schnell gehen und trotzdem gepflegt wirken. Er besteht aus wenigen Schritten, die du in fünf Minuten schaffst:
- Trage eine dünne Schicht Lidschatten-Base auf das gesamte Lid.
- Verteile einen hellen, matten Ton auf dem beweglichen Lid und unter der Augenbraue.
- Setze einen mittleren Brautton in die Lidfalte und verblende ihn mit einem weichen Pinsel.
- Zieh einen dünnen Eyeliner entlang des oberen Wimpernkranzes.
- Tusche die oberen Wimpern mit einer Schicht Mascara.
Für den Alltag eignen sich matte, neutrale Töne besser als schimmernde, denn sie wirken natürlicher und halten länger ohne zu verlaufen. Ein brauner Eyeliner statt des schwarzen wirkt weicher und ist für helle Hauttypen oft die bessere Wahl. Wenn du wenig Zeit hast, konzentriere dich auf die Wimpern: Gut getuschte Wimpern öffnen den Blick mehr als ein aufwendiger Lidschatten.
Smokey Eye: Der Abendlook, der zu jeder Augenform passt
Der Smokey Eye ist der Klassiker für den Abend, aber er muss nicht schwarz sein. Für den Alltag oder für helle Hauttypen eignen sich Brauntöne, für den Abend Grau- und Schwarztöne. Die Technik bleibt gleich, nur die Farbintensität variiert.
So gelingt der Smokey Eye:
- Trage eine Lidschatten-Base auf, damit die Farben halten.
- Verteile einen mittleren Ton großzügig auf dem gesamten Lid und in der Lidfalte.
- Setze den dunklen Ton am äußeren Augenwinkel und entlang des unteren Wimpernkranzes an.
- Verblende die harte Kante zwischen den Tönen mit einem weichen Pinsel, bis ein sanfter Verlauf entsteht.
- Zieh einen Eyeliner entlang des oberen Wimpernkranzes und verblende ihn leicht mit dem dunklen Lidschatten.
- Tusche die Wimpern kräftig oder setze falsche Wimpern ein.
Bei hängenden Augenlidern setzt du den dunklen Ton etwas höher an, direkt über der Lidfalte, damit er sichtbar bleibt. Bei kleinen Augen hältst du den dunklen Bereich auf den äußeren Augenwinkel beschränkt und lässt die Lidmitte heller, das öffnet den Blick.
Fehler, die du vermeiden solltest
Manche Fehler wiederholen sich immer wieder und verhindern ein gelungenes Ergebnis. Der häufigste ist fehlende Vorbereitung: Ohne Lidschatten-Base verrutscht die Farbe, setzt sich in der Lidfalte ab und verblasst nach wenigen Stunden. Eine Base ist keine Option, sondern die Grundlage.
Der zweite Fehler ist zu viel Produkt auf einmal. Ob Lidschatten, Eyeliner oder Mascara: Zu viel aufgetragen lässt sich schwer korrigieren und wirkt schnell unordentlich.
Der dritte Fehler betrifft die Platzierung des Lidschattens. Viele tragen die dunkle Farbe auf das gesamte bewegliche Lid auf, wodurch das Auge kleiner wirkt. Die dunkle Farbe gehört an den äußeren Augenwinkel und in die Lidfalte, die helle auf das bewegliche Lid. So entsteht Tiefe statt Fläche.
Der vierte Fehler ist fehlendes Verblenden. Harte Kanten zwischen den Farbtönen wirken unfertig. Nimm dir Zeit für das Verblenden, es macht den Unterschied zwischen einem gelungenen und einem misslungenen Look.
Hygiene und Haltbarkeit: So bleibt dein Make-up frisch
Augen-Make-up kommt in direkten Kontakt mit empfindlicher Haut und Schleimhäuten. Deshalb gelten hier besondere Hygieneregeln. Teile deine Mascara und Eyeliner nicht mit anderen, denn Bakterien übertragen sich leicht und können Bindehautentzündungen auslösen. Ersetze Mascara alle drei Monate, denn die feuchte Umgebung im Röhrchen ist ein idealer Nährboden für Keime. Lidschatten und Eyeliner halten länger, aber auch sie solltest du nach ein bis zwei Jahren ersetzen.
Reinige deine Pinsel regelmäßig, mindestens einmal pro Woche. Verschmutzte Pinsel übertragen Bakterien auf die Haut und verfälschen die Farben. Ein mildes Shampoo oder ein spezieller Pinselreiniger genügt: Die Borsten unter lauwarmem Wasser ausspülen, sanft ausdrücken und liegend trocknen lassen.
Für einen länger haltenden Look hilft ein Setting-Spray, das du nach dem Make-up auf das gesamte Gesicht sprühst. Bei öligen Augenlidern hält eine Lidschatten-Base den Lidschatten besser als ein Puder. Wenn deine Augen zum Tränen neigen, wähle wasserfeste Mascara und Eyeliner, aber entferne sie abends gründlich mit einem ölhaltigen Reiniger, sonst brechen die Wimpern.



