Du willst den Look der Siebziger nachstylen, aber weißt nicht, wo du anfangen sollst? Die Siebziger waren kein einheitliches Jahrzehnt, sondern eine Zeit voller Gegensätze: Hier traf die natürliche Hippie-Romantik auf den glamourösen Disco-Style, und dazwischen sorgte der Glam-Rock für schrille Akzente. Was alle Looks verbindet, ist eine bestimmte Haltung: Make-up war Ausdruck von Lebensfreude, Selbstbewusstsein und dem Gefühl, dass alles möglich ist.

Der 70er-Look lässt sich heute erstaunlich gut tragen, weil er weniger streng ist als die 60er-Jahre-Mode mit ihren grafischen Lidstrichen. Stattdessen dominieren weiche Übergänge, warme Erdtöne und ein Hauch von Glitzer. Du kannst dich für einen dezenten Alltagslook entscheiden oder abends richtig auftragen – die Grundtechniken sind dieselben. In diesem Beitrag bekommst du konkrete Anleitungen für die wichtigsten Stilrichtungen, die passenden Farben und die entscheidenden Handgriffe, damit du den Glamour der Siebziger authentisch und modern zugleich trägst.

Was den 70er-Look ausmacht
Bevor du zum Pinsel greifst, lohnt ein Blick auf die Grundpfeiler des Jahrzehnts. Drei Strömungen prägten das Make-up der Siebziger, und jede hat ihre eigene Ästhetik:

Die Hippie-Bewegung setzte auf Natürlichkeit. Frauen betonten ihre Haut lieber mit getönten Feuchtigkeitscremes als mit schwerer Foundation, ließen die Augenbrauen buschig wachsen und trugen nur einen Hauch von Mascara. Der Fokus lag auf einem gesunden, sonnengeküssten Teint.
Der Disco-Style war das Gegenteil: Hier ging es um Glamour und Extravaganz. Funkelnde Lidschatten in Grün, Blau und Gold, dichte Wimpern, glänzende Lippen und ein Hauch von Puder auf den Wangenknochen. Die Disco-Ära war die Zeit der großen Partys, und das Make-up spiegelte diese Euphorie wider.
Der Glam-Rock schließlich brachte Farbe und Theatralik ins Spiel. Inspiriert von Künstlern wie David Bowie wagten sich Frauen an kräftige Blautöne, Lila und sogar Silber. Die Augen wurden zum Blickfang, die Lippen blieben meist dezent.
Für deinen eigenen Look kannst du dich an einer dieser Richtungen orientieren oder Elemente kombinieren. Die gute Nachricht: Die Grundtechniken sind sich ähnlich, und du brauchst keine teure Spezialausrüstung.
Der Disco-Look: Glitzer und Smokey Eyes
Der Disco-Look ist der glamouröseste des Jahrzehnts und eignet sich perfekt für Abendveranstaltungen, Partys oder besondere Anlässe. Sein Markenzeichen sind die funkelnden Augen, die durch einen weichen Smokey Eye mit metallischen Akzenten entstehen.

So setzt du ihn um:
Beginne mit einer gut vorbereiteten Haut. Trage eine leichte Foundation oder eine getönte Tagescreme auf, die deinen Teint ausgleicht, aber nicht maskenhaft wirkt. Ein warmer Bronzer auf Wangenknochen, Stirn und Nasenrücken gibt dir den sonnengeküssten Effekt, der für die Siebziger typisch war.
Für die Augen wählst du einen Lidschatten in einem warmen Grünton, zum Beispiel ein sattes Olivgrün oder ein Moosgrün. Trage die Farbe mit einem flachen Pinsel auf das bewegliche Lid auf und verblende sie mit einem weichen Pinsel nach oben in Richtung Augenbraue. Der Übergang sollte weich und rauchig sein, nicht hart abgegrenzt. Im äußeren Augenwinkel setzt du einen dunkleren Ton, etwa ein tiefes Waldgrün oder ein Braun mit Grünstich, und verblendest ihn nach außen.
Den Glitzer-Effekt bekommst du, indem du einen goldenen oder champagnerfarbenen Lidschatten mit dem Finger oder einem feuchten Pinsel in die Lidmitte tupfst. Das reflektiert das Licht und erinnert an die funkelnden Disco-Kugeln. Ein schwarzer oder dunkelbrauner Eyeliner entlang des oberen Wimpernkranzes gibt den Augen mehr Tiefe, und zwei Schichten Mascara sorgen für dichte Wimpern.
Für die Lippen eignet sich ein glänzender Lipgloss in einem warmen Pfirsich- oder Roséton. Die Siebziger liebten glänzende Lippen, und ein Gloss mit leichtem Schimmer passt perfekt zum Disco-Look. Wer es etwas kräftiger mag, greift zu einem satten Korallenton mit glänzendem Finish.
Der natürliche Hippie-Look: Weniger ist mehr
Der Hippie-Look ist die perfekte Wahl für den Alltag, weil er schnell geht und trotzdem frisch wirkt. Sein Ziel ist ein gesunder, natürlicher Teint, der kaum geschminkt aussieht.

Die Basis bildet eine leichte Feuchtigkeitscreme mit einem Hauch von Tönung oder ein getöntes Serum. Du kannst auch einfach deine normale Tagescreme mit ein paar Tropfen flüssigem Bronzer oder einem flüssigen Highlighter mischen, um einen dezenten Glow zu bekommen. Wichtig ist, dass die Haut atmen kann und nicht schwer wirkt.
Die Augenbrauen sind beim Hippie-Look ein zentrales Element. Sie dürfen buschig und natürlich wirken, also nicht zu stark gezupft. Wenn deine Brauen von Natur aus dünn sind, kannst du sie mit einem Augenbrauenstift in einem helleren Braunton auffüllen. Arbeite mit kurzen, feinen Strichen, die die natürliche Haarstruktur nachahmen, und bürste die Brauen anschließend mit einem Brauen-Gel nach oben.
Auf den Augen reicht eine Schicht Mascara in Braun oder Schwarz. Wer mag, kann einen dezenten, warmen Braunton auf das Lid geben, aber das ist optional. Die Lippen bekommen nur einen getönten Lippenbalsam oder einen Lippenstift in einem Nude-Ton, der deiner natürlichen Lippenfarbe nahekommt.
Der Clou beim Hippie-Look ist die Betonung der Wangen. Ein cremiger Rouge in einem warmen Apricot- oder Roséton, auf die Wangenknochen getupft und mit den Fingern verblendet, gibt dem Gesicht sofort mehr Frische. Das Rouge darf ruhig etwas höher sitzen als heute üblich, fast auf den Wangenknochen, und in Richtung Schläfen auslaufen.
Glam-Rock: Mut zu Farbe
Wenn du dich traust, ist der Glam-Rock-Look der aufregendste des Jahrzehnts. Er lebt von kräftigen Farben auf den Augen, die du sonst vielleicht nicht tragen würdest. Blau, Lila, Silber und sogar Türkis waren in den Siebzigern keine Seltenheit, und genau diese Farben machen den Look so besonders.

Für einen Glam-Rock-Look mit blauen Akzenten trägst du einen satten Königsblau- oder Petrolton auf das gesamte bewegliche Lid auf. Verblende die Farbe nach oben und außen, sodass ein weicher Übergang entsteht. Im äußeren Augenwinkel setzt du einen dunkleren Ton, etwa ein Nachtblau oder ein Schwarz mit Blauschimmer, und ziehst ihn leicht nach außen, um die Augen zu verlängern.
Die untere Wasserlinie kannst du mit einem blauen oder schwarzen Kajal betonen. Das öffnet den Blick und gibt dem Look mehr Dramatik. Die Wimpern bekommen mehrere Schichten Mascara, oder du verwendest falsche Wimpern für einen intensiveren Effekt.
Die Lippen bleiben beim Glam-Rock bewusst dezent. Ein heller Nude-Ton oder ein transparenter Gloss reicht völlig aus, damit die Augen im Mittelpunkt stehen. Wer den Look noch etwas theatralischer mag, kann einen Hauch von Silber oder Glitzer auf die Lidmitte geben.
Die wichtigsten Handgriffe: Brauen, Lidschatten, Lippen
Unabhängig davon, für welchen Stil du dich entscheidest, gibt es ein paar Techniken, die du beherrschen solltest, damit der 70er-Look gelingt.

Brauen: Die buschige Augenbraue ist das Erkennungszeichen des Jahrzehnts. Wenn du deine Brauen bisher stark gezupft hast, lass sie ein paar Wochen wachsen. In der Zwischenzeit kannst du sie mit einem Stift oder Puder auffüllen. Wichtig ist, dass die Brauen nicht hart gezeichnet wirken, sondern natürlich und voll. Ein transparentes Brauen-Gel fixiert die Härchen in Form.
Lidschatten: Der Smokey Eye der Siebziger ist weicher als der heutige. Statt harter Kontraste verwendest du mehrere Töne derselben Farbfamilie und verblendest sie ineinander. Ein guter Verblendpinsel ist dabei unverzichtbar. Arbeite in kleinen, kreisenden Bewegungen, um die Übergänge weich zu machen. Wenn du unsicher bist, beginne mit einem hellen Ton auf dem gesamten Lid und arbeite dich zu einem dunkleren Ton im äußeren Bereich vor.
Lippen: Die Siebziger liebten glänzende Lippen, aber auch matte Nude-Töne waren beliebt. Entscheidend ist, dass die Lippen gepflegt wirken. Ein Peeling mit Zucker und Honig entfernt trockene Haut, und ein pflegender Balsam bereitet die Lippen auf den Lippenstift vor. Für den Gloss-Effekt trägst du den Gloss direkt auf die Lippen auf und tupfst ihn mit dem Finger leicht ein, damit er nicht zu klebrig wirkt.
Farbpaletten für den Alltag
Nicht jeder möchte mit grünen oder blauen Lidschatten zur Arbeit gehen. Die gute Nachricht: Der 70er-Look lässt sich auch in gedeckten Tönen umsetzen, die im Alltag tragbar sind.

Erdtöne sind die sicherste Wahl. Warme Brauntöne, Beige, Terrakotta und ein Hauch von Bronze passen zu fast jedem Hautton und erinnern an die natürliche Seite des Jahrzehnts. Ein brauner Smokey Eye mit goldenen Akzenten wirkt elegant und unaufdringlich.
Pfirsich und Koralle eignen sich perfekt für Lippen und Wangen. Diese Töne geben dem Gesicht sofort Wärme und passen zum sonnengeküssten Teint der Siebziger. Ein pfirsichfarbener Lippenstift mit glänzendem Finish ist eine gute Wahl für den Alltag.
Gold und Bronze sind die metallischen Töne des Jahrzehnts. Ein goldener Lidschatten auf dem beweglichen Lid, kombiniert mit einem warmen Braunton in der Lidfalte, verleiht den Augen einen warmen Glanz, ohne zu aufdringlich zu sein. Bronze kann auch als Highlighter auf den Wangenknochen verwendet werden.
Wenn du abends etwas mehr Glamour möchtest, kannst du diese gedeckten Töne mit einem Hauch von Glitzer oder einem dunkleren Akzent kombinieren. So bleibt der Look alltagstauglich, bekommt aber den nötigen Disco-Faktor.
Moderne Interpretationen
Der 70er-Look funktioniert heute besonders gut, wenn du ihn an deine persönlichen Vorlieben anpasst. Du musst nicht das komplette Jahrzehnt nachstellen, sondern kannst einzelne Elemente übernehmen.

Eine moderne Variante des Disco-Looks ist der grüne Smokey Eye mit goldenen Akzenten, aber mit einer leichteren Textur. Statt schwerer, cremiger Lidschatten verwendest du pudrige Formeln, die sich leichter verblenden lassen und weniger schnell verwischen. Die Lippen bleiben glänzend, aber ein getönter Lipgloss mit Pflegewirkung ersetzt den klebrigen Gloss der Siebziger.
Der Hippie-Look lässt sich wunderbar mit modernen Skin-Care-Produkten kombinieren. Eine getönte Feuchtigkeitscreme mit Lichtschutzfaktor, ein cremiger Bronzer und ein Gel-Rouge geben dir den natürlichen Glow, ohne dass du viel Zeit investieren musst. Die buschigen Brauen sind auch heute noch ein Statement, und du kannst sie mit einem Brauen-Gel in Form bringen, das die Härchen fixiert, ohne zu verkleben.
Für den Glam-Rock-Look gilt: Weniger ist manchmal mehr. Statt das gesamte Lid in Blau zu tauchen, kannst du einen blauen Eyeliner entlang des oberen Wimpernkranzes ziehen und ihn leicht nach außen auslaufen lassen. Das gibt den Augen einen farbigen Akzent, ohne zu theatralisch zu wirken. Kombiniert mit einem Nude-Lippenstift und einem Hauch von Bronzer entsteht ein Look, der sowohl tagsüber als auch abends funktioniert.



