Du stehst vor dem Spiegel und willst etwas anderes als den alltäglichen Nude-Look oder den klassischen Smokey Eye. Der Make-up-Stil der 1960er Jahre bietet genau das: grafische Augen, weich geschwungene Brauen und zarte Lippen in Pastelltönen. Dieser Look funktioniert auch heute noch, wenn du ihn an moderne Texturen und deine Gesichtszüge anpasst. Die Swinging Sixties waren eine der prägendsten Epochen der Schönheitsgeschichte, und ihre Ideen tauchen regelmäßig in aktuellen Kollektionen und auf Laufstegen wieder auf. Die klare Linienführung rückt das Auge in den Mittelpunkt und lässt alles andere ruhig und elegant wirken.

Realistic photo for Der Glanz vergangener Zeiten

Der Cat-Eye-Look, den Twiggy und Brigitte Bardot in den 1960er Jahren populär machten, steht für markante Augen und eine Prise Glamour. Du musst kein Profi sein, um diesen Stil zu tragen. Mit den richtigen Techniken und Produkten gelingt dir der Look auch zu Hause, und du kannst ihn je nach Anlass variieren – von dezent fürs Büro bis intensiv für den Abend.

Was den 60er-Jahre-Look wirklich ausmacht

Bevor du mit dem Schminken beginnst, lohnt ein Blick auf die charakteristischen Merkmale dieser Ära. Der Stil der Sechziger unterscheidet sich deutlich von dem, was vorher und nachher kam. Drei Elemente sind entscheidend:

Die Augen dominieren. Der Fokus liegt auf einer präzisen Lidstrich-Linie, die am äußeren Augenwinkel nach oben ausschwingt. Dazu kommen volle, deutlich getrennte Wimpern und ein heller Lidschatten, der das gesamte Lid aufhellt. Die Augenbrauen sind natürlich geformt, aber klar definiert – nicht zu dünn, nicht zu buschig.

Close-up of a woman's eye with a sharp winged eyeliner, defined but natural eyebrow, and full separated lashes.
Die Augen stehen im Mittelpunkt: präziser Lidstrich, definierte Braue, volle Wimpern.

Die Lippen bleiben dezent. Statt kräftiger Rot- oder Beerentöne tragen die Frauen der Sechziger helle Nude-Töne, zartes Rosa oder Pfirsichtöne. Der Lippenstift ist matt oder leicht glänzend, aber nie knallig. Das lenkt die Aufmerksamkeit auf die Augen, die ohnehin die Hauptrolle spielen.

Close-up of a woman's lips with a matte nude-pink lipstick, natural lip shape, and no heavy gloss.
Dezente Lippen: helle Nude- oder Pastelltöne matt oder leicht glänzend.

Die Haut wirkt ebenmäßig und natürlich. Ein leichter Glanz ist erlaubt, aber kein starkes Highlighting oder Contouring, wie es in den 2010er Jahren populär wurde. Die Basis ist matt bis halbmatt, mit einem Hauch von Rouge auf den Wangenknochen für einen gesunden Teint.

Close-up of a woman's cheek with natural skin, a soft rose blush on the cheekbone, and a matte complexion.
Ebenmäßige Haut mit natürlichem Finish und zartem Rouge.

Diese Kombination aus starken Augen und zurückhaltenden Lippen macht den Look so zeitlos. Er funktioniert bei jedem Hautton und jeder Augenform, wenn du die Proportionen anpasst.

Der Cat-Eye: Technik für verschiedene Augenformen

Der Lidstrich ist das Herzstück des 60er-Jahre-Looks. Die klassische Linie beginnt am inneren Augenwinkel, wird zur Mitte hin etwas dicker und schwingt am äußeren Winkel nach oben. Die Schwungrichtung ist entscheidend: Sie folgt der natürlichen Linie deines unteren Wimpernkranzes und verlängert sie gedanklich Richtung Schläfe.

A hand applying black liquid eyeliner to a woman's eye, drawing the wing upward at the outer corner.
Der Lidstrich: Präzise von innen nach außen, mit Schwung zum Schläfenende.

Für verschiedene Augenformen gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Bei runden Augen kannst du die Linie etwas dicker zeichnen und den Schwung stärker nach oben führen, um das Auge optisch zu strecken. Bei mandelförmigen Augen reicht eine feine Linie, die am äußeren Winkel sanft ausläuft. Bei Schlupflidern zeichnest du den Lidstrich bei geöffnetem Auge, damit du siehst, wo die Linie tatsächlich sichtbar wird. Beginne mit einem dünnen Gel- oder Flüssig-Eyeliner und arbeite dich in kleinen Strichen vor. Ein Trick: Zeichne zuerst die untere Linie des Schwungs, dann die obere, und fülle die Fläche dazwischen aus.

Moderne Varianten des Cat-Eyes sind weicher und kreativer als das strenge Original. Statt einer harten schwarzen Linie kannst du Braun oder Dunkelgrau verwenden, was weicher wirkt. Oder du setzt farbige Akzente: Ein türkisfarbener oder violetter Lidstrich verleiht dem Look eine zeitgenössische Note, ohne den Retro-Charakter zu verlieren. Auch ein doppelter Lidstrich – eine feine Linie entlang des Wimpernkranzes und eine zweite, die etwas darüber verläuft – ist eine moderne Interpretation, die auf Instagram und Laufstegen häufig zu sehen ist.

Close-up of a woman's eye with a turquoise winged eyeliner, giving a modern twist to the classic 60s look.
Modern interpretiert: farbiger Lidstrich in Türkis oder Violett für einen zeitgenössischen Twist.

Wimpern wie Twiggy: Der Fächer-Effekt

Twiggys Markenzeichen waren ihre unteren Wimpern, die sie mit mehreren Schichten Mascara betonte. Der Effekt: Die Augen wirken größer und puppenhaft. Dieser Look lässt sich mit zwei Techniken erreichen. Entweder du tuschst die unteren Wimpern mit einer präzisen Mascara-Bürste und ziehst einzelne Härchen mit einem dünnen Eyeliner nach, um den Fächer-Effekt zu verstärken. Oder du verwendest einzelne Wimpernbüschel, die du am äußeren unteren Wimpernkranz anbringst – das ist die schnellere Variante für einen intensiven Abendlook.

Close-up of a woman's eye with emphasized lower lashes, including individual lash clusters applied to the outer lower lash line.
Twiggy-Effekt: betonte untere Wimpern für einen puppenhaften Blick.

Für die oberen Wimpern gilt: Volumen statt Länge. Eine Wimpernzange öffnet den Blick, eine voluminöse Mascara in Schwarz oder Dunkelbraun sorgt für Dichte. Wer es besonders authentisch mag, trägt eine halbe Wimpernreihe am äußeren Augenwinkel. Das verlängert das Auge und unterstützt die Cat-Eye-Linie.

Lippen in Nude und Pastell: Die richtige Wahl

Die Lippenfarbe entscheidet darüber, ob dein Look stimmig wirkt. In den Sechzigern waren helle, natürliche Töne Standard. Für heute bedeutet das: Wähle einen Lippenstift, der ein oder zwei Nuancen dunkler ist als deine natürliche Lippenfarbe, oder einen Pastellton, der zu deinem Hautton passt. Bei heller Haut funktionieren Rosé- und Pfirsichtöne gut, bei mittleren Hauttönen warme Nude-Töne mit einem Hauch von Braun, bei dunklerer Haut kräftigere Beerentöne, die aber matt bleiben.

Die Textur ist ebenso wichtig wie der Farbton. Matte Lippenstifte wirken am authentischsten für den Retro-Look. Glänzende oder cremige Formulierungen modernisieren den Stil, können aber schnell zu glatt wirken. Ein Lippenkonturenstift in der gleichen Farbe wie der Lippenstift definiert die Lippenform und verhindert, dass die Farbe ausläuft. Zeichne die Kontur präzise nach und fülle die Lippen dann mit dem Stift aus, bevor du den Lippenstift aufträgst. Das verlängert die Haltbarkeit.

A hand applying a nude lip liner to a woman's lips, outlining and filling the shape before lipstick.
Lippenkontur: präzise nachzeichnen und ausfüllen für einen definierten, haltbaren Look.

Die Basis: Ebenmäßige Haut ohne Schwere

Die Haut in den Sechzigern wirkte gepflegt, aber nicht übermäßig geschminkt. Ein leichter, halbmatte Foundation oder eine getönte Tagescreme gleicht den Teint aus, ohne maskenhaft zu wirken. Concealer deckt Augenringe und Unreinheiten ab, wird aber sparsam eingesetzt. Ein Hauch von Rouge auf den Wangenknochen – am besten in einem zarten Rosé- oder Pfirsichton – gibt dem Gesicht Struktur. Auf starkes Contouring und Highlighter verzichtest du, denn das würde den natürlichen Charakter des Looks stören.

A hand applying light foundation with a brush to a woman's cheek, with visible natural skin texture.
Leichte Foundation oder getönte Creme für einen ebenmäßigen, natürlichen Teint.

Für einen modernen Twist kannst du eine feuchtigkeitsspendende, glowy Grundierung verwenden und nur die T-Zone mit Puder mattieren. Das verleiht der Haut einen frischen, jugendlichen Schimmer, der gut zum Retro-Stil passt, ohne altmodisch zu wirken.

Schritt für Schritt: Der komplette Look in zehn Minuten

Wenn du den Look zum ersten Mal ausprobierst, hilft eine klare Reihenfolge. Beginne mit der Hautpflege und einer leichten Foundation. Dann folgen die Augen, denn hier passieren die meisten Korrekturen. Zum Schluss kommen Lippen und Rouge.

  1. Trage eine Augenlid-Grundierung auf, damit Lidschatten und Eyeliner halten.
  2. Verteile einen hellen, matten Lidschatten in Beige oder Champagner auf dem gesamten beweglichen Lid.
  3. Zeichne den Cat-Eye-Lidstrich mit einem Gel- oder Flüssig-Eyeliner. Beginne am inneren Augenwinkel und arbeite dich nach außen vor.
  4. Tuschle die oberen Wimpern mit zwei Schichten Mascara und betone für den Twiggy-Effekt auch die unteren Wimpern.
  5. Forme die Augenbrauen mit einem Brauengel oder -stift nach. Die Form bleibt natürlich, nur die Farbe wird aufgefüllt.
  6. Trage Concealer unter den Augen und auf Unreinheiten auf.
  7. Setze Rouge auf die Wangenknochen und verblende es gut.
  8. Zeichne die Lippenkontur mit einem Nude-Stift nach und fülle die Lippen mit einem matten Lippenstift.

Diese Reihenfolge funktioniert für Anfängerinnen und Fortgeschrittene. Wenn du den Look für den Abend intensivieren möchtest, kannst du den Lidschatten durch einen leicht schimmernden Ton ersetzen oder den Lidstrich dicker ziehen.

Moderne Interpretationen: So trägst du den Look heute

Der 60er-Jahre-Look ist kein starres Kostüm, sondern eine Inspirationsquelle. Du kannst einzelne Elemente herausgreifen und in deinen Alltagsstil integrieren. Wer den Cat-Eye zu scharf findet, wählt eine weiche, verwischte Variante mit einem braunen Kajal. Wer die pastelligen Lippen mag, aber nicht auf kräftige Farben verzichten möchte, kombiniert einen Nude-Lippenstift mit einem farbigen Gloss in der Mitte.

Auch die Kombination mit anderen Trends funktioniert: Der Cat-Eye passt zu glowy Skin, minimalistischen Make-up-Looks und sogar zu kräftigen Lidschatten in Pastelltönen wie Mint oder Babyblau. Diese Farben waren in den Sechzigern beliebt und erleben gerade ein Comeback. Trage sie auf dem beweglichen Lid und kombiniere sie mit einem neutralen Lidstrich in Braun, um den Look modern zu halten.

Für besondere Anlässe kannst du den Retro-Stil mit einem Hauch von Glitzer oder einem metallischen Eyeliner aufpeppen. Das verleiht dem Look eine festliche Note, ohne den historischen Charakter zu verlieren. Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst und den Look an deine Persönlichkeit anpasst.