Wer eine Brille trägt, kennt das tägliche Hin und Her am Schminktisch: Für den Lidstrich nimmst du die Brille ab, beugst dich nah an den Spiegel und kneifst die Augen zusammen, um überhaupt etwas zu erkennen. Dann setzt du die Brille wieder auf, prüfst das Ergebnis, nimmst sie erneut ab. Eine Schminkbrille beendet diesen Wechsel. Sie ist eine Brille mit deinen Korrekturgläsern, deren Gläser sich einzeln wegklappen lassen. Während du an einem Auge arbeitest, bleibt das andere durch sein Glas scharf. So trägst du Eyeliner, Mascara und Lidschatten auf, ohne auf Sicht zu verzichten.
Die Schminkbrille richtet sich an alle mit Sehschwäche: Kurzsichtige, Weitsichtige und Menschen mit Gleitsichtgläsern. Je nach Fehlsichtigkeit gelten dabei unterschiedliche Make-up-Regeln, denn die Gläser verändern, wie groß oder klein deine Augen im Spiegel wirken.
So funktioniert die Schminkbrille
Jedes Glas der Schminkbrille lässt sich am Scharnier einzeln nach oben, unten oder zur Seite wegklappen. Arbeitest du am rechten Auge, klappst du das rechte Glas weg und hast das Auge frei. Das linke Auge behält sein Glas und sieht scharf. Danach klappst du das rechte Glas zurück, öffnest das linke und machst dort weiter. So kontrollierst du jeden Strich, ohne die Brille abzusetzen.
Zuerst trägst du Foundation und Concealer auf, während beide Gläser geschlossen sind. Für die Augenpartie klappst du dann das Glas der Seite weg, an der du gerade arbeitest. Bei Mascara hilft der freie Blick besonders, denn die Wimpern liegen dicht am Glas. Mit geöffnetem Glas kommst du mit der Bürste heran, ohne anzustoßen.
Ein praktischer Hinweis zur Entfernung: Dein Spiegelbild liegt hinter der Scheibe, dadurch ist der Abstand doppelt so groß wie zum Spiegel selbst. Deine normale Fernbrille passt daher für die Arbeit am Schminktisch, auch wenn du dich nah zum Spiegel beugst.
Weitsichtige Augen: Dunkle Töne gleichen die Vergrößerung aus
Weitsichtige tragen Plusgläser, die wie eine Lupe wirken. Deine Augen erscheinen dahinter größer, als sie sind. Dunkle, matte Lidschatten in Braun oder Graublau gleichen diesen Effekt aus, weil sie das Auge optisch zurücktreten lassen. Schimmernde, helle Farben würden die Vergrößerung zusätzlich betonen.
Weil die Plusgläser auch jedes Detail vergrößern, fallen Unregelmäßigkeiten stärker auf. Trage Lidschatten deshalb besonders gleichmäßig auf und verblende die Kanten sorgfältig. Ein weicher Übergang zwischen den Farbtönen wirkt natürlicher als harte Linien, die unter der Vergrößerung schnell unsauber aussehen.
Kurzsichtige Augen: Helle, schimmernde Farben öffnen den Blick
Kurzsichtige tragen Minusgläser, die das Bild verkleinern. Deine Augen wirken dahinter kleiner, als sie sind. Helle, schimmernde Lidschatten holen das zurück: Sie reflektieren das Licht und lassen das Auge größer erscheinen. Ein heller Ton unter der Augenbraue oder im Innenwinkel öffnet den Blick zusätzlich.
Wer eine Gleitsichtbrille trägt, kann sich an diesen Tipps orientieren. Gleitsichtgläser haben unterschiedliche Sehzonen für Ferne und Nähe; für das Make-up am Spiegel gelten die gleichen Regeln wie bei kurzsichtigen Augen. Wichtig ist, dass du beim Schminken durch den Bereich schaust, der für deine Arbeitsentfernung geschärft ist, also meist den unteren Teil des Glases.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Die Schminkbrille übernimmt deine eigene Sehstärke, also bestelle sie mit den Werten deiner aktuellen Brillenverordnung. Achte darauf, dass die Gläser dieselbe Korrektur haben wie deine Alltagsbrille, sonst siehst du am Spiegel unscharf.
Der Klappmechanismus entscheidet über den Komfort. Probiere, ob sich die Gläser mit einer Hand leicht öffnen und schließen lassen und ob sie in der geöffneten Position stabil bleiben. Manche Modelle klappen die Gläser nach oben, andere zur Seite. Welche Richtung angenehmer ist, hängt davon ab, wie du den Pinsel führst und wie viel Platz zwischen Glas und Auge bleibt. Ein größerer Abstand erleichtert das Arbeiten mit Mascara und Eyeliner, weil die Bürste nicht am Glas anstößt.
Die Brille sollte nah genug am Gesicht liegen, damit du durch die richtige Stelle des Glases schaust, aber nicht so eng, dass sie beim Blinzeln stört. Ein leichtes Gestell mit dünnen Bügeln lässt dich das Ergebnis im Spiegel besser beurteilen, weil es weniger vom Gesicht verdeckt.
Alternativen zur Schminkbrille
Wer keine Schminkbrille anschaffen möchte, greift oft zum Vergrößerungsspiegel. Für Weitsichtige ist das unpraktisch: Sie müssen sich weit vorbeugen und die Augen zusammenkneifen, um durch die Lupe zu sehen, und der Abstand zum Spiegel stimmt selten. Kontaktlinsen sind eine echte Alternative, denn sie korrigieren die Sehschwäche direkt am Auge und lassen sich beim Schminken einfach tragen. Wer keine Linsen verträgt oder sie nur selten nutzt, bleibt auf die Brille angewiesen.
Die eigene Alltagsbrille hilft beim Schminken nur wenig. Für Lidschatten, Mascara und Eyeliner musst du sie immer wieder abnehmen, weil die Gläser sonst im Weg sind und verschmutzen. Die Schminkbrille vermeidet genau dieses ständige Auf- und Absetzen.
So gelingt das Make-up mit der Schminkbrille
Beginne mit der Grundierung, solange beide Gläser geschlossen sind. Arbeite dann die Augenpartie Seite für Seite ab: Klappe das rechte Glas weg und ziehe den Lidstrich. Anschließend tusche die Wimpern. Danach klappe das Glas zurück und wechsle zur linken Seite. Prüfe zwischendurch mit geschlossenen Gläsern, ob beide Seiten gleichmäßig sind, denn im Spiegel siehst du dann das Gesamtbild.
Für den Lidstrich setzt du den Ellbogen auf dem Tisch auf, damit die Hand ruhig bleibt. Ziehe die Linie in mehreren kurzen Strichen statt in einem langen Zug, dann kannst du die Richtung besser kontrollieren. Bei Mascara drehst du die Bürste beim Auftragen leicht, damit die Wimpern getrennt bleiben, und wartest zwischen den Schichten kurz, bis die erste Schicht getrocknet ist.


