Du stehst im Drogerieregal und fragst dich, ob das Shampoo mit dem Kräuteretikett wirklich besser für dein Haar ist als das konventionelle daneben. Die Antwort ist nicht so einfach, wie die Werbung es suggeriert. Naturkosmetik-Shampoos verzichten auf bestimmte synthetische Stoffe und setzen stattdessen auf pflanzliche Inhaltsstoffe. Aber der Begriff „natürlich“ ist in Deutschland nicht geschützt, und nicht jedes Produkt mit Blatt-Deko hält, was es verspricht.
Der verlässliche Weg führt über anerkannte Zertifizierungssiegel. Die drei größten in Deutschland sind BDIH, Natrue und Ecocert. Sie legen fest, welche Inhaltsstoffe erlaubt sind und dass am fertigen Produkt keine Tierversuche durchgeführt wurden. Wer ein Shampoo mit einem dieser Siegel kauft, bekommt eine geprüfte Grundlage. Was die Siegel im Einzelnen bedeuten, woran du gute Produkte erkennst und ob feste Shampoos eine echte Alternative sind, erfährst du hier.
Was die Siegel BDIH, Natrue und Ecocert wirklich garantieren
Die Siegel unterscheiden sich in ihren Kriterien, aber sie haben einen gemeinsamen Kern: Sie schließen Inhaltsstoffe wie Mineralöl, Silikone, synthetische Duft- und Farbstoffe sowie Paraffine aus. Ein zertifiziertes Shampoo besteht aus pflanzlichen Tensiden, also waschaktiven Substanzen aus zum Beispiel Kokos- oder Zuckerrüben, und pflegenden Ölen wie Argan- oder Jojobaöl.
Wichtig zu wissen: Ein Siegel bedeutet nicht automatisch, dass alle Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau stammen. BDIH etwa erlaubt einen bestimmten Anteil konventionell angebauter Rohstoffe, wenn Bio-Qualität nicht verfügbar ist. Natrue unterscheidet zwischen verschiedenen Zertifizierungsstufen, bei denen der Bio-Anteil variiert. Ecocert verlangt für das „Cosmos Organic“-Label einen hohen Anteil zertifizierter Bio-Inhaltsstoffe der pflanzlichen Bestandteile. Wenn dir Bio wichtig ist, solltest du also auf die genaue Auszeichnung achten und nicht nur auf das Siegel an sich.
Der praktische Nutzen der Siegel liegt in der Ausschlussliste. Ein Produkt mit BDIH- oder Natrue-Siegel enthält nachweislich keine Silikone, die sich auf dem Haar ablagern und es auf Dauer schwer und stumpf machen können. Es enthält auch kein Mineralöl, das einen okklusiven Film bildet und die Kopfhaut daran hindert, natürlich zu atmen. Für Menschen mit empfindlicher Kopfhaut oder Neigung zu Juckreiz ist das ein entscheidender Unterschied zu konventionellen Shampoos.
Warum „natürlich“ auf dem Etikett allein nichts wert ist
Der Begriff „natürlich“ ist rechtlich nicht geschützt. Hersteller dürfen ihn verwenden, auch wenn das Produkt überwiegend synthetische Inhaltsstoffe enthält. Ein Shampoo mit der Aufschrift „mit natürlichem Kräuterextrakt“ kann trotzdem Parabene, Silikone und synthetische Duftstoffe enthalten. Der Kräuterextrakt ist dann nur ein kleiner Anteil in einer ansonsten konventionellen Formulierung.
Die Stiftung Warentest hat in ihrem Shampoo-Test vom Juni 2020 festgestellt, dass die Bezeichnung „natürlich“ ohne Zertifizierung nichts über die tatsächliche Zusammensetzung aussagt. Wer sichergehen will, prüft die Inhaltsstoffliste oder greift direkt zu einem Produkt mit anerkanntem Siegel. Die INCI-Liste, also die Auflistung aller Inhaltsstoffe auf der Rückseite, verrät mehr als jedes Werbeversprechen auf der Vorderseite. Silikone erkennst du an Endungen wie „-cone“ oder „-conol“, synthetische Duftstoffe stehen oft einfach als „Parfum“ in der Liste.
Der Stiftung-Warentest-Vergleich: Was taugen feste Shampoos?
Im Juni 2020 testete die Stiftung Warentest 18 Shampoos und Haarseifen, darunter sieben Naturkosmetikprodukte. Das Ergebnis: 14 Produkte schnitten mit „gut“ ab, drei mit „befriedigend“ und eines mit „ausreichend“. Die Kosten pro Haarwäsche lagen zwischen 1 und 38 Cent, ein gewaltiger Unterschied, der zeigt, dass teuer nicht automatisch besser ist.
Besonders interessant war der Vergleich zwischen festen und flüssigen Shampoos. Feste Shampoos gelten als umweltfreundlicher, weil sie weniger Verpackung benötigen und oft ohne Plastik auskommen. Der Test zeigte jedoch, dass nicht jedes feste Produkt überzeugt: Ein festes Shampoo entpuppte sich als Mogelpackung, weil es im Vergleich zu seiner Größe unverhältnismäßig schnell verbraucht war und die versprochene Reinigungsleistung nicht erbrachte.
Zu den getesteten flüssigen Naturkosmetik-Shampoos gehörten unter anderem das Aldi-Nord-Produkt Biocura Hair Care Shampoo Klassik Salbeiextrakt für normales bis leicht fettendes Haar und das dm-Eigenmarken-Shampoo Alverde Family Shampoo Bio-Malve Bio-Brombeere für normales Haar. Beide sind Beispiele dafür, dass gute Naturkosmetik nicht teuer sein muss. Die Testergebnisse stammen aus dem Jahr 2020; Rezepturen und Preise können sich seitdem geändert haben. Für aktuelle Entscheidungen lohnt ein Blick auf die jeweilige Produktverpackung und die aktuelle Inhaltsstoffliste.
Woran du ein gutes Naturkosmetik-Shampoo für deinen Haartyp erkennst
Die Wahl des richtigen Shampoos hängt weniger vom Siegel als von deinem Haartyp und deiner Kopfhaut ab. Ein Shampoo für fettiges Haar enthält andere Tenside und Pflegestoffe als eines für trockenes, strapaziertes Haar.
Für fettige Kopfhaut eignen sich Shampoos mit Salbei-, Rosmarin- oder Brennnesselextrakt. Diese Kräuter wirken regulierend auf die Talgproduktion. Das Aldi-Biocura-Shampoo mit Salbeiextrakt ist ein klassisches Beispiel für diese Kategorie. Für trockenes Haar und eine spannende Kopfhaut sind Shampoos mit rückfettenden Ölen wie Argan-, Avocado- oder Sheabutter die bessere Wahl. Sie reinigen sanft und hinterlassen einen pflegenden Film, ohne zu beschweren.
Bei coloriertem Haar solltest du auf ein Shampoo achten, das speziell für gefärbtes Haar ausgelobt ist. Diese Produkte enthalten oft mildere Tenside und farbschützende Pflanzenextrakte wie Hibiskus oder Granatapfel. Ein Naturkosmetik-Shampoo ohne diese Auslobung kann die Farbe schneller auswaschen, weil es gründlicher reinigt als konventionelle Farbschutz-Shampoos.
Ein praktischer Tipp für den Umstieg: Naturkosmetik-Shampoos schäumen anders als konventionelle, weil sie auf aggressive Tenside wie Sodium Laureth Sulfate verzichten. Der Schaum ist feiner und weniger üppig. Das ist kein Qualitätsmangel, sondern eine Folge der milderen Reinigung. Gib dem Produkt zwei bis drei Wochen Zeit, bis sich deine Kopfhaut an die neue Pflege gewöhnt hat. In dieser Übergangsphase kann das Haar fettiger wirken, weil es die synthetischen Rückstände der alten Produkte erst abbauen muss.
Feste Shampoos richtig anwenden: So klappt der Umstieg
Feste Shampoos sind mehr als ein Umweltstatement, sie sind eine eigene Anwendungsform mit eigenen Regeln. Ein fester Shampoo-Riegel besteht aus konzentrierten Tensiden und Pflegestoffen, die ohne Wasser auskommen. Du reibst den Riegel direkt unter fließendem Wasser zwischen den Händen oder führst ihn über das nasse Haar, bis sich ein Schaum bildet. Dann massierst du den Schaum wie bei einem flüssigen Shampoo in die Kopfhaut ein.
Feste Shampoos enthalten keine Konservierungsstoffe, weil ihnen das Wasser fehlt. Das ist gut für die Haut, erfordert aber eine trockene Aufbewahrung. Ein Seifenschale mit Ablauflöchern oder ein Baumwollbeutel verlängert die Haltbarkeit deutlich. Liegt der Riegel dauerhaft in einer Pfütze, wird er weich und zerfällt schneller.
Nach der Wäsche mit einem festen Shampoo kann sich das Haar zunächst rau und strohig anfühlen. Das liegt daran, dass viele feste Shampoos auf Seifenbasis arbeiten, die mit dem Kalk im Leitungswasser reagieren. Eine saure Rinse, also eine Spülung mit einem Schuss Apfelessig in Wasser, gleicht den pH-Wert aus und macht das Haar wieder geschmeidig. Ein bis zwei Esslöffel Apfelessig auf einen halben Liter Wasser genügen. Diese Rinse ist ein bewährter Trick aus der Naturkosmetik-Praxis, auch wenn er nicht in jedem Testbericht auftaucht.
Deine Entscheidungshilfe: So findest du dein Shampoo
Du musst kein Experte für Tensidchemie werden, um das richtige Naturkosmetik-Shampoo zu finden. Drei Fragen führen dich zur passenden Wahl:
Erstens: Welches Siegel trägt das Produkt? BDIH, Natrue oder Ecocert sind verlässliche Zeichen. Fehlt ein Siegel, prüfe die Inhaltsstoffliste auf Silikone (Endung „-cone“) und synthetische Duftstoffe („Parfum“).
Zweitens: Was braucht dein Haar? Fettige Kopfhaut verträgt Kräuter wie Salbei und Rosmarin, trockenes Haar braucht Öle und rückfettende Substanzen, coloriertes Haar profitiert von farbschützenden Extrakten.
Drittens: Welche Anwendungsform passt zu deinem Alltag? Flüssige Shampoos sind gewohnt und einfach zu dosieren. Feste Shampoos sparen Verpackung und sind ideal für Reisen, erfordern aber eine kurze Eingewöhnung und die saure Rinse.
Die Kostenfrage hat der Stiftung-Warentest-Test klar beantwortet: Gute Naturkosmetik gibt es bereits für wenige Cent pro Wäsche. Die Drogerie-Eigenmarken von dm und Aldi haben im Test gezeigt, dass sie mit teuren Markenprodukten mithalten können. Natürliche Haarpflege muss also nicht teuer sein.



