Du stehst vor dem Regal und fragst dich, ob Naturkosmetik wirklich pflegt oder nur gut klingt. Die kurze Antwort: Zertifizierte Naturkosmetik von Marken wie Weleda, Lavera oder Dr. Hauschka hält mit konventioneller Kosmetik mit. Die Stiftung Warentest hat das im September 2020 in einem Test von 14 Gesichtscremes bestätigt. Auch zertifizierte Naturkosmetik überzeugte bei Pflege und Anwendung, darunter Produkte von Weleda, Sante und Lavera.

Naturkosmetik ist in Deutschland längst ein Massenmarkt. Nach einer Erhebung aus dem Jahr 2020 entfielen rund zehn Prozent des Kosmetikmarktes auf grüne Produkte, der Umsatz der Naturkosmetikanbieter lag damals bei rund 1,46 Milliarden Euro und hatte sich in den zehn Jahren davor fast verdoppelt. Seither ist die Auswahl weiter gewachsen, vor allem im Drogeriebereich.

Hier sind die Marken, die sich bewährt haben, und die Kriterien, an denen du gute Naturkosmetik erkennst.

Was Naturkosmetik von konventioneller unterscheidet

Der Begriff Naturkosmetik ist in Deutschland nicht geschützt. Jeder Hersteller darf seine Produkte so nennen, auch wenn sie nur einen kleinen pflanzlichen Anteil enthalten. Zertifizierte Naturkosmetik folgt dagegen festgelegten Kriterien. Siegel wie Natrue, BDIH oder Ecocert legen fest, welche Inhaltsstoffe erlaubt sind, wie sie gewonnen werden und dass keine Tierversuche durchgeführt werden.

Ein zertifiziertes Produkt erkennst du am Siegel auf der Verpackung. Fehlt es, sagt der Begriff „natürlich" allein wenig aus. Die INCI-Liste, das ist die standardisierte Inhaltsstoffliste auf der Rückseite, verrät mehr: Stehen pflanzliche Öle und Extrakte weit oben, bilden sie die Basis der Formulierung.

Die Klassiker: Dr. Hauschka, Weleda und Lavera

Die drei bekanntesten klassischen Naturkosmetikmarken in Deutschland sind Dr. Hauschka, Lavera und Weleda. Sie stehen für unterschiedliche Ansätze.

Weleda gehört zu den ältesten Naturkosmetikherstellern Europas. Die Marke arbeitet mit Heilpflanzen aus kontrolliert biologischem und biodynamischem Anbau und deckt mit ihrem Sortiment Gesichtspflege, Körperpflege und Babypflege ab. Die Calendula-Produkte für Babys gehören zu den bekanntesten der Marke.

Dr. Hauschka verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Die Produkte basieren auf Heilpflanzen und sollen die Haut in ihrem natürlichen Rhythmus unterstützen. Besonders bekannt ist die Reinigungscreme, die seit Jahrzehnten zum Sortiment gehört.

Lavera hat sich seit den 1980er-Jahren etabliert und bietet ein breites Sortiment, das auch dekorative Kosmetik einschließt. Viele Produkte sind vegan zertifiziert.

Diese drei Marken zeigen, wie unterschiedlich Naturkosmetik sein kann: von der klassischen Heilpflanzenpflege über den ganzheitlichen Ansatz bis zum breiten Sortiment mit Make-up.

Was die Stiftung Warentest 2020 zeigte

Der Gesichtscreme-Test der Stiftung Warentest aus dem September 2020 ist der bislang deutlichste Beleg dafür, dass zertifizierte Naturkosmetik mit konventioneller mithalten kann. Getestet wurden 14 Gesichtscremes, darunter zertifizierte Naturkosmetik von Weleda, Sante und Lavera sowie naturnahe Cremes von Nivea und Garnier. Naturnahe Produkte tragen kein Naturkosmetik-Siegel, enthalten aber einen hohen Anteil pflanzlicher Inhaltsstoffe.

Zu den getesteten Produkten gehörten unter anderem das Alviana Feuchtigkeitsfluid Bio-Aloe Vera, das Alverde Aqua 24h Hyaluron Hydro Cremegel Meeresalge von dm und der Kora Organics Soothing Moisturizer von Douglas. Das Ergebnis: Auch zertifizierte Naturkosmetik überzeugte bei Pflege und Anwendung.

Wichtig ist die Einordnung: Der Test stammt aus dem Jahr 2020. Formulierungen können sich seitdem geändert haben, als aktueller Kaufratgeber taugt er nicht mehr. Als Beleg dafür, dass Naturkosmetik bei der Pflegeleistung nicht zurückstecken muss, ist er weiterhin aussagekräftig.

Günstig einsteigen: Alverde, Alterra und Sante

Wer Naturkosmetik ausprobieren möchte, muss nicht viel ausgeben. Handelsmarken wie Alverde von dm und Alterra von Rossmann haben in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Sie bieten zertifizierte Naturkosmetik zu Drogeriepreisen, von Gesichtspflege über Haarpflege bis zu dekorativer Kosmetik.

Sante ergänzt das Angebot im mittleren Preissegment. Die Marke ist für ihre Pflegeprodukte und ihr Naturkosmetik-Make-up bekannt. Die Auswahl an preisgünstiger Naturkosmetik ist in den letzten Jahren spürbar gewachsen. Wer mit einer Marke starten möchte, findet bei Alverde und Alterra ein breites Sortiment zum Ausprobieren.

Worauf du beim Kauf achten kannst

Beim Kauf entscheiden drei Punkte, ob ein Naturkosmetikprodukt zu dir passt.

Das Siegel auf der Verpackung zeigt, ob das Produkt zertifiziert ist. Es garantiert, dass die Formulierung festgelegten Naturkosmetik-Kriterien folgt. Ohne Siegel bleibt offen, was „natürlich" auf der Verpackung bedeutet.

Die INCI-Liste zeigt, was wirklich drin ist. Die Inhaltsstoffe stehen dort nach ihrem Anteil geordnet, der größte zuerst. Stehen pflanzliche Öle, Buttern und Extrakte weit oben, bilden sie die Basis der Creme.

Der Hauttyp bestimmt die Textur. Viele Naturkosmetikprodukte setzen auf reichhaltige Öle und Buttern. Für fettige Haut eignen sich leichte Gele und Fluids, für trockene Haut reichhaltige Cremes.

Ein praktischer Hinweis: Naturkosmetik duftet anders als konventionelle Produkte, weil sie natürliche Duftstoffe verwendet. Wer empfindlich auf ätherische Öle reagiert, sollte ein neues Produkt zuerst an einer kleinen Hautstelle testen.