Wenn Ihre Haut nach dem Schminken spannt, juckt oder rote Flecken zeigt, stehen oft Duftstoffe im Verdacht. Parfüm ist in Make-up kein Luxus, sondern ein häufiger Auslöser für Kontaktallergien. Die gute Nachricht: Sie müssen nicht auf Foundation, Concealer und Puder verzichten. Sie müssen nur wissen, wie Sie die Produkte erkennen, die Ihre Haut in Ruhe lassen.
Entscheidend ist die Kennzeichnung. Die EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 schreibt vor, dass bestimmte besonders allergene Duftstoffe einzeln in der Inhaltsstoffliste stehen müssen, sobald sie eine bestimmte Konzentration überschreiten. Das bedeutet: Sie können im Handel erkennen, ob ein Produkt diese Stoffe enthält, und gezielt zu Produkten greifen, die ohne sie auskommen.
Duftstofffrei ist nicht dasselbe wie parfümfrei, und Naturkosmetik ist nicht automatisch die sichere Wahl. Der folgende Überblick zeigt, worauf Sie beim Einkauf achten müssen und welche Produkttypen sich für empfindliche Haut bewährt haben.
Warum Duftstoffe in Make-up problematisch sind
Duftstoffe haben in Kosmetik keine pflegende Funktion. Sie machen das Produkt angenehmer im Geruch und überdecken den Eigengeruch der Rohstoffe. Genau darin liegt das Problem für empfindliche Haut: Der Körper reagiert auf die Duftmoleküle, nicht auf die Pflegewirkung. Die Folge sind Rötungen, Juckreiz, Spannungsgefühl oder kleine Pusteln, oft erst nach einigen Tagen regelmäßiger Anwendung.
Die einzeln kennzeichnungspflichtigen Stoffe in Anhang III der EU-Kosmetikverordnung gelten als die häufigsten Auslöser von Duftstoffallergien. Dazu gehören zum Beispiel Linalool, Limonen, Citronellol und Geraniol. Diese Namen finden Sie auf der Verpackung, wenn sie in relevanter Menge enthalten sind. Die Schwelle, ab der ein Stoff einzeln ausgewiesen werden muss, ist in der Verordnung festgelegt.
Eine Unterschreitung der Schwelle bedeutet nicht, dass der Stoff gar nicht enthalten ist. Er ist nur so gering dosiert, dass er nicht einzeln ausgewiesen werden muss. Für Menschen mit ausgeprägter Allergie kann selbst diese kleine Menge eine Reaktion auslösen.
Woran Sie duftstofffreies Make-up erkennen
Der sicherste Weg führt über die Inhaltsstoffliste, die INCI-Liste. INCI steht für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients, das internationale System zur Bezeichnung von Kosmetikinhaltsstoffen. Auf der Verpackung finden Sie diese Liste meist klein gedruckt auf der Rückseite oder am Boden der Tube.
Suchen Sie nach zwei Dingen: den einzelnen allergenen Duftstoffen wie Linalool oder Limonen und den Sammelbezeichnungen „Parfüm“, „Aroma“ oder „Fragrance“. Steht einer dieser Begriffe in der Liste, enthält das Produkt Duftstoffe. Fehlt sowohl der Einzelstoff als auch die Sammelbezeichnung, ist das Produkt ohne zugesetzte Duftstoffe formuliert.
Ein Beispiel: Eine Foundation mit der Angabe „Parfum“ ganz am Ende der Liste enthält Duftstoffe, auch wenn Sie nicht riechen, dass sie parfümiert ist. Viele Hersteller dosieren den Duft so gering, dass er nur schwach wahrnehmbar ist, aber die Haut reagiert trotzdem. Produkte mit dem Hinweis „ohne Duftstoffe“ oder „fragrance free“ auf der Vorderseite sind die verlässlichere Wahl, weil diese Angabe eine Zusicherung des Herstellers ist.
Naturkosmetik ist nicht automatisch duftstofffrei
Naturkosmetik ist nicht automatisch sicher für empfindliche Haut, denn sie verwendet oft ätherische Öle, um Produkte zu duften. Diese Öle enthalten natürliche Duftstoffe wie Limonen oder Linalool, die genauso allergene Potenziale haben wie synthetische Parfümstoffe.
Wenn Sie zu Naturkosmetik greifen, prüfen Sie die INCI-Liste genauso genau wie bei konventionellen Produkten. Ein zertifiziertes Naturkosmetik-Produkt mit Lavendelöl oder Bergamotteöl ist nicht duftstofffrei. Es kann für viele Hauttypen gut verträglich sein, für eine nachgewiesene Duftstoffallergie ist es aber keine sichere Wahl.
Inzwischen gibt es Naturkosmetik-Linien, die bewusst auf ätherische Öle verzichten und mit unparfümierten Grundrezepturen arbeiten. Diese Produkte erkennen Sie daran, dass in der INCI-Liste weder einzelne Duftstoffe noch „Parfüm“ auftauchen.
Die richtigen Produkttypen für empfindliche Haut
Nicht jedes Make-up-Produkt ist gleich riskant. Einige Produkttypen sind von Natur aus besser für empfindliche Haut geeignet, weil sie weniger Duftstoffe benötigen oder einfacher zu kontrollieren sind.
Mineralpuder ist eine gute erste Wahl. Er besteht aus fein gemahlenen Mineralien wie Zinkoxid oder Titandioxid und kommt oft ganz ohne Duftstoffe, Konservierungsstoffe und flüssige Bindemittel aus. Sie tragen ihn mit einem Pinsel auf, und die dünne Schicht lässt die Haut atmen. Achten Sie darauf, dass der Puder keine zusätzlichen Farbpigmente mit Duftstoffen enthält.
Flüssige Foundations enthalten häufiger Duftstoffe, weil sie den Eigengeruch der Rohstoffe überdecken müssen. Wählen Sie hier Produkte mit kurzer INCI-Liste und ohne „Parfüm“. Concealer und Abdeckstifte sind meist unkomplizierter, weil sie in kleineren Mengen aufgetragen werden und viele Hersteller hier auf Duft verzichten.
Testen Sie neue Produkte zuerst an einer unauffälligen Stelle. Tragen Sie eine kleine Menge auf die Innenseite des Unterarms auf und lassen Sie sie einwirken. Reagiert die Haut nicht mit Rötung oder Juckreiz, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie das Produkt im Gesicht vertragen. Bei bekannter Allergie sollten Sie vorher mit einer Hautärztin oder einem Hautarzt sprechen.



