Trockene, rissige Lippen kennst du vermutlich aus dem Winter, nach langen Tagen in beheizten Räumen oder nach einem Tag in der Sonne. Die Haut auf den Lippen ist dünner als die übrige Gesichtshaut und besitzt keine Talgdrüsen, die sie selbst mit Fett versorgen. Deshalb braucht sie Unterstützung von außen: einen Pflegestift, eine Creme oder einen getönten Balsam, der Feuchtigkeit bindet und die Haut beruhigt.

Die gute Nachricht: Die richtige Pflege ist keine Frage des teuren Preises. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe und ein paar Gewohnheiten entscheiden darüber, ob deine Lippen geschmeidig bleiben oder immer wieder aufreißen. Der jüngste Test von Öko-Test an getönten Lippenpflegestiften zeigt außerdem: Nicht jedes Produkt hält, was die Verpackung verspricht.

Warum Lippen schneller austrocknen als die restliche Haut

Die Lippenhaut hat keinen eigenen Schutz: Sie besitzt keine Talgdrüsen, die sie mit Fett versorgen, und ist deutlich dünner als die Haut im restlichen Gesicht. Kalte und trockene Luft im Winter, starke Sonneneinstrahlung im Sommer und Allergien entziehen ihr zusätzlich Feuchtigkeit. Das Ergebnis sind Spannungsgefühle, Schuppen und kleine Risse, die bei jedem Lächeln oder Essen wehtun.

Was die Regeneration erschwert, sind Gewohnheiten: häufiges Lippenlecken, Reißen an der Haut oder Abbeißen trockener Fetzen. Der Speichel verdunstet schnell und entzieht den Lippen dabei noch mehr Feuchtigkeit, statt sie zu schützen. Lässt du die Haut stattdessen in Ruhe und pflegst sie regelmäßig, gibst du ihr die Chance, sich zu erholen. Wer viel Zeit im Freien verbringt, sollte außerdem zu einem Produkt mit Lichtschutz greifen, denn Sonneneinstrahlung zählt zu den Auslösern trockener Lippen.

Die richtigen Inhaltsstoffe: Worauf du beim Kauf achten solltest

Bei strapazierten Lippen helfen Produkte mit hautberuhigenden Inhaltsstoffen wie Dexpanthenol oder Vitamin E. Dexpanthenol unterstützt die Regeneration der Haut, Vitamin E wirkt als Antioxidans und schützt vor Umwelteinflüssen. Diese Stoffe findest du in klassischen Pflegestiften ebenso wie in getönten Balsamen.

Ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe lohnt sich trotzdem, denn nicht alles, was schön glänzt, pflegt auch. Öko-Test hat für die November-Ausgabe 2025 insgesamt 18 färbende Lippenpflegestifte mit Glow-Effekt untersucht. Fünf Produkte fielen durch. In einigen fanden die Tester Formaldehyd und Formaldehydabspalter, die bereits in geringen Mengen die Schleimhäute reizen und Allergien auslösen können. Auch Mineralölbestandteile tauchten in Lippenpflegeprodukten auf. Diese Stoffe legen sich zwar als Schutzfilm auf die Lippen, können aber Verunreinigungen enthalten, die du nicht auf der Haut haben möchtest.

Die Bestnote „sehr gut" erhielt im Öko-Test nur ein Produkt: der Alterra Lippenbalsam 02 Bio-Kakao. Mit „ungenügend" bewertet wurde unter anderem der Goovi That’s My Glow. Das Ergebnis gilt nur für getönte Pflegestifte mit Glow-Effekt, nicht für alle Lippenpflegeprodukte. Auch die Stiftung Warentest hat Lippenpflegestifte und -cremes auf kritische Mineralölbestandteile geprüft; viele Produkte sind frei davon, aber nicht alle. Die beiden Tests bewerten mit unterschiedlichen Schwerpunkten und lassen sich nicht zu einem Gesamturteil zusammenfassen.

Getönte Pflegestifte: Farbe und Pflege in einem Schritt

Getönte Lippenpflegestifte sind die praktische Lösung für alle, die morgens nicht erst Lippenstift und Pflege getrennt auftragen wollen. Sie geben den Lippen einen dezenten Farbton, oft mit Glow-Effekt, und versorgen sie gleichzeitig mit Feuchtigkeit. Der Haken: Farbe und Pflege müssen sich in einem Produkt vertragen, und genau daran scheitern einige Hersteller.

Der Öko-Test zeigt, worauf du achten kannst: Produkte mit der Bestnote kombinieren gute Pflege mit unbedenklichen Inhaltsstoffen. Bei der Auswahl hilft der Blick auf die Kennzeichnung: Bio-Siegel und kurze Inhaltsstofflisten sind ein erster Hinweis, ersetzen aber keine Prüfung. Wer empfindliche Lippen hat, greift am besten zu einem Produkt, das auf Duftstoffe und ätherische Öle verzichtet, denn diese reizen die Schleimhäute häufiger als unparfümierte Formeln. Ein Farbabstrich auf dem Handrücken zeigt dir außerdem, ob dir der Ton wirklich steht, bevor du den Stift auf die Lippen legst.

So wendest du Lippenbalsam richtig an

Die Anwendung klingt banal, aber der Zeitpunkt macht den Unterschied. Trage den Balsam auf und gib ihm ein paar Minuten, um einzuziehen, bevor du isst oder trinkst. Sonst trägst du das Produkt direkt wieder ab und die Pflege verpufft. Am besten funktioniert das morgens nach dem Zähneputzen und abends vor dem Schlafengehen, wenn die Lippen über Stunden ungestört einziehen können. Ein Stift auf dem Nachttisch erinnert dich an die abendliche Runde, einer in der Handtasche versorgt dich unterwegs.

Wer zu trockenen Lippen neigt, sollte außerdem genug trinken. Die Lippenhaut bekommt ihre Feuchtigkeit von innen, und ein ständig dehydrierter Körper zeigt das zuerst an den Lippen. Ein Glas Wasser zwischendurch hilft mehr als die fünfte Schicht Balsam. Und wenn die Lippen bereits rissig sind, gilt: sanft pflegen, nicht reiben. Ein reichhaltiger Balsam mit Dexpanthenol beruhigt die gereizte Haut schneller als ein dünner Glanzstift.

Wann Lippenpflege nicht mehr reicht

Wenn die Lippen trotz regelmäßiger Pflege über Wochen rissig bleiben, stark brennen oder sich Entzündungen bilden, solltest du die Ursache abklären lassen. Allergien zählen zu den häufigen Auslösern trockener Lippen, und dann hilft kein Balsam von außen allein. Ein Arzt oder eine Ärztin kann die Ursache eingrenzen und dir sagen, ob eine medizinische Pflege mit speziellen Wirkstoffen nötig ist.

Bis dahin gilt die einfache Regel: Pflege mit beruhigenden Inhaltsstoffen, ausreichend trinken und die Lippen in Ruhe lassen. Wer das durchhält, bekommt in den meisten Fällen geschmeidige Lippen, ohne auf teure Produkte angewiesen zu sein.