Erste Fältchen um die Augen, ein müder Zug um den Mund, die Wangen wirken schlaffer: Wenn du etwas dagegen tun willst, aber Botox oder andere Spritzen für dich nicht infrage kommen, ist Gesichtsgymnastik eine Option, die du zu Hause ohne Hilfsmittel durchführen kannst. Gezielte Übungen trainieren die Muskeln im Gesicht, ähnlich wie Krafttraining den Körper. Das Gesicht wirkt dadurch straffer, Falten glätten sich sichtbar.
Eine Studie der Northwestern University, veröffentlicht in der Fachzeitschrift JAMA Dermatology, hat als erste wissenschaftliche Untersuchung gezeigt, dass Gesichtsübungen gegen Hautalterung helfen. Frauen mittleren Alters trainierten 20 Wochen lang und zeigten danach ein fülligeres, fester wirkendes Gesicht, besonders an den Wangen.
Bevor du startest, solltest du wissen, dass sich die Wirkung über Wochen aufbaut, die Übungen einfach zu erlernen sind und die wissenschaftliche Basis dünner ist, als viele Anbieter behaupten.
Was die Forschung belegt
Die wichtigste wissenschaftliche Grundlage für Gesichtsgymnastik ist eine Studie in der Fachzeitschrift JAMA Dermatology, für die Forscher der Northwestern University Frauen mittleren Alters über 20 Wochen hinweg Gesichtsübungen durchführen ließen. Das Programm umfasste 32 verschiedene Übungen, die die Teilnehmerinnen zunächst 30 Minuten täglich absolvierten. Ab der neunten Woche reichte ein Training jeden zweiten Tag.
Die Gesichter der Frauen wirkten nach dem Training fülliger, besonders die oberen und unteren Wangen. Studienautor Dr. Murad Alam erklärte, dass die Übungen die Gesichtsmuskulatur stärken und das Gesicht dadurch fester und jünger wirken lassen.
Es handelt sich bislang um die einzige Studie dieser Art, mit einer kleinen Teilnehmergruppe. Unabhängige Wiederholungsstudien fehlen. Die Ergebnisse lassen sich nicht uneingeschränkt auf andere Altersgruppen oder Männer übertragen. Auch die Bewertung der Fotos durch die Dermatologen war subjektiv. Ob die Wirkung über die 20 Wochen hinaus anhält oder ob du dauerhaft trainieren musst, ist ebenfalls offen.
So wirkt Gesichtsgymnastik
Gesichtsgymnastik trainiert die zahlreichen Muskeln unter der Haut, die für Mimik, Kauen und Sprechen zuständig sind. Werden sie regelmäßig angespannt und entspannt, bleiben sie kräftig. Ein trainierter Muskel gibt dem darüberliegenden Gewebe mehr Halt, das Gesicht wirkt fester und voller.
Ein zweiter Baustein sind Massagen mit den Fingern. Sie sollen die Lymphbahnen stimulieren, also jene Gefäße, die Gewebeflüssigkeit abtransportieren. Dadurch verbessert sich die Durchblutung, Schwellungen gehen zurück. Die Wirksamkeit der Lymphdrainage im Rahmen von Gesichtsyoga ist wissenschaftlich nicht belegt. Die Massage fühlt sich aber angenehm an und kann als entspannendes Ritual Teil deiner Routine sein.
Übungen, die du zu Hause starten kannst
Die Studie arbeitete mit 32 verschiedenen Übungen, die den gesamten Gesichtsbereich abdecken. Du musst nicht alle auf einmal lernen. Starte mit ein paar Grundübungen, die die wichtigsten Muskelgruppen ansprechen, und steigere dich. Diese Grundübungen gehören zum Standardrepertoire des Gesichtsyoga.
Cheek-Lift für die Wangen: Lächle mit geschlossenen Lippen, sodass sich die Mundwinkel heben. Lege die Zeigefinger auf die Wangenknochen und ziehe die Haut sanft nach oben. Halte die Spannung einige Sekunden und entspanne dann.
Augenpartie: Lege Zeige- und Mittelfinger auf die äußeren Augenwinkel. Kneife die Augen leicht zusammen, sodass du die Spannung unter den Fingern spürst. Halte kurz und öffne die Augen wieder.
Hals und Kinn: Neige den Kopf nach hinten und schaue zur Decke. Schiebe den Unterkiefer nach vorne, bis du eine Dehnung im Hals spürst. Halte die Position und entspanne.
Stirn: Lege die Finger flach auf die Stirn und ziehe die Haut leicht nach unten. Hebe gleichzeitig die Augenbrauen gegen den Widerstand an.
Führe jede Übung langsam und kontrolliert aus. Wichtig ist die Qualität der Bewegung, nicht die Geschwindigkeit. Achte darauf, dass du keine Schmerzen spürst und die Haut nicht übermäßig ziehst.
Was du realistisch erwarten kannst
Gesichtsgymnastik ist kein Ersatz für Botox, wenn du sofortige, deutliche Ergebnisse erwartest. Die Wirkung baut sich über Wochen auf. In der Studie zeigten sich die Veränderungen nach 20 Wochen regelmäßigen Trainings. Du brauchst also Geduld und einen langen Atem.
Was die Übungen leisten können: ein fülligeres, strafferes Erscheinungsbild, besonders an den Wangen. Was sie nicht leisten können: Falten, die durch Sonnenschäden oder starken Kollagenverlust entstanden sind, vollständig entfernen. Auch tiefe Falten oder ausgeprägte Erschlaffung lassen sich mit Muskeltraining allein nicht wegzaubern.
Die Studie wurde an Frauen mittleren Alters durchgeführt. Für diese Gruppe gibt es Belege, dass regelmäßiges Training das Erscheinungsbild verbessert. Ob jüngere Frauen oder Männer in gleichem Maße profitieren, ist nicht untersucht.
So baust du eine Routine auf
Starte mit einem kürzeren Pensum und steigere dich auf die 30 Minuten aus der Studie. Du musst nicht sofort das volle Programm schaffen. Wähle einen festen Zeitpunkt, zum Beispiel morgens nach dem Waschen oder abends vor dem Schlafengehen. Kombiniere die Übungen mit deiner Pflegeroutine: Nach dem Auftragen von Serum oder Creme sind die Hände ohnehin am Gesicht.
Achte auf saubere Hände und eine gereinigte Haut. Übe vor einem Spiegel, bis du die Bewegungen sicher beherrschst. Wenn du unsicher bist, ob eine Übung richtig sitzt, hilft ein Blick in den Spiegel oder ein Video-Tutorial.



